Rundbrief 2003

Freiburg, den 18.03.03

Action Five
Lorettostr. 24
79100 Freiburg
E-Mail: action5@epost.de
http://action5.toplink.de


Liebes Mitglied!
wir möchten Sie herzlich zu unserer diesjährigen ordentlichen Mitgliederversammlung einladen.
Sie findet am Donnerstag, 10. April 2003, 20.15Uhr bei Georg in der Richard-Wagner-Straße 37, 79104 Freiburg, statt.
Die Tagesordnung umfasst, wie in den letzten Jahren, folgende Punkte:

1. Entgegennahme des Rechenschaftsberichts vom Vorstand
2. Entlastung des Vorstandes (1. Vorsitzende: Anneke , 2. Vorsitzender: Jürgen , Kassenführer: Andreas )
3. Wahl des neuen Vorstandes (es kandidieren erneut: 1. Vorsitzende: Anneke , 2. Vorsitzender: Jürgen , Kassenführer: Andreas )
4. Anträge des Vorstands zur Projektförderung
5. Sonstiges

Da wir nach Satzung zur Beschlussfähigkeit mindestens 10 abgegebene Stimmen benötigen (mündlich oder schriftlich), bitten wir Sie, zumindest den beigefügten Stimmzettel abzuschicken.

ACHTUNG: Aufgrund der Fusion der Ökobank mit der GLS Gemeinschaftsbank eG wird sich zum 1.4.2003 die Kontonummer und die Bankleitzahl des Action Five Kontos ändern. (Das gibt auch Gelegenheit, evtl. monatliche Daueraufträge auf jährliche, halb- oder vierteljährliche Überweisungen zu ändern, was mir die Verwaltungsarbeit erleichtern würde).

Auch möchte ich zu meinem Vortrag „Vom Landlosen zum Kleinunternehmer – Ländliche Entwicklungsarbeit in Bangladesh
mit den Eindrücken meiner Projektreise im Februar 2003 bei Dipshikha (mit Dias) einladen.
Er findet am Montag, 12. Mai 2003, 20.15 Uhr, in der evangelischen Studentengemeinde ESG, Turnseestr. 16, 79102 Freiburg, statt.

Andreas

Rechenschaftsbericht des Vorstands

„Weniger ist mehr“, so könnte man die Erfahrung des letzten Jahres mit der stark reduzierten Zahl an aktiven Mitgliedern und an geförderten Projekten beschreiben. Der Austausch mit den verbliebenen drei Gruppen in Argentinien, Brasilien und Bangladesh hat sich insgesamt deutlich intensiviert.
Anneke und ich besuchten den Kindergarten und die Landwirtschaftsschule in Pocao de Pedras in Brasilien und berichteten hierzu ausführlich in einem eigenen Rundbrief. Durch meine Mitarbeit im Vorstandsteam bei dem deutschen Verein „Shanti“ ist auch der Kontakt zu Dipshikha und ASSB (Aloha Social Services Bangladesh) in Bangladesh sehr gut. Hier bin ich jetzt zusätzlich mit für die Begleitung eines der fünf von Shanti geförderten Projekte verantwortlich. Im Februar 2003 besuchte ich Dipshikha mit Schwerpunkt auf diesem Projekt. Daher ist auch dieser Rundbrief relativ spät.
Die Cooperadora in Argentinien erhielt 2002 Besuch von einem Freiburger, der uns berichtete. Weiter besteht intensiver Kontakt durch Anke Voswinkel.
Zur Zeit finden keine Arbeitskreis-Treffen mehr statt. Wir haben keine jüngeren aktiven Mitglieder mehr. Unser öffentlicher Vortrag zu unserer Brasilien-Reise war sehr zufrieden stellend besucht, dennoch ist die Entwicklung, dass wir uns von der studentischen Gruppe, die wir früher waren, verabschieden, was nicht zuletzt an einer Verschiebung der studentischen Interessen liegt. Die inhaltliche Arbeit ist dafür die letzten Jahre, so mein persönlicher Eindruck, in ihrer Qualität deutlich gewachsen. Die Innenwirkung auf die deutsche (insbesondere Freiburger) Öffentlichkeit ist dafür stark gesunken.
Wie wird es weitergehen? Es steht kaum zu erwarten, dass wir viele neue Studenten für die aktive Mitarbeit gewinnen werden. Der Schwerpunkt der Vergabe unserer nicht zweckgebundenen Spenden wird stark auf Shanti und Bangladesh liegen. Somit schließen wir uns de facto einer größeren Gruppe an, wobei wir uns noch offen halten für eigene Initiativen, wie z.B. die Förderung eines Landwirtschaftstechnikers in Brasilien und die Weitergabe zweckgebundener Spenden an die Cooperadora in Argentinien.
Ich möchte wieder schließen mit Worten des bengalischen Nationaldichters Rabindranath Tagore. Bei meinen letzten Projektreisen (sowohl in Brasilien wie in Bangladesh) fand ich immer wieder kritische Punkte, die von der Ideal-Vorstellung von der perfekten Entwicklungsarbeit abwichen. Stellte ich mir aber die Frage: „wie kann man es besser machen?“, so befiel mich schnell inneres Schweigen.

„Lasst nur den die Dornen sehen, der Augen für die Rose hat.“

Viele Grüße und ein gutes Jahr
(für den Vorstand)
Andreas

Zur Verwendung zweckgebundener Spenden

Neben den zweckgebundenen Spenden für die Cooperadora gab es auch zweckgebundene Spenden für Brasilien und Bangladesh. Früher war es unsere Praxis, diese Gelder zusätzlich zu den beschlossenen Geldern zu überweisen. Dies ist mittlerweile nicht mehr so ohne weiteres sinnvoll. In Brasilien unterstützen wir konkret ein Gehalt eines Landwirtschaftstechnikers an der Landwirtschaftsschule und voraussichtlich Material für sein genauer umrissenes Vorhaben zum Ausbau der landwirtschaftlichen Aktivitäten. Hier können wir nicht einfach mehr Geld überweisen. Diese Beträge sind gemessen an dem Jahreshaushalt von Action Five eher klein.
In Bangladesh werden auch konkrete Projekte mit genau definierten Budgets gefördert. Mehrüberweisungen an die geförderten bengalischen Vereine Diphsikha oder ASSB sind daher ebenfalls nicht sinnvoll. Mehrüberweisungen an den deutschen Verein Shanti dagegen sind gut möglich, da diese das Geld sammeln, bis das nächste Projekt beschlossen wird. Für Shanti, das ein Spendenaufkommen von etwa 100,000 Euro im Jahr hat, sind stellen Schwankungen bei Überweisungen von uns kein Problem dar.
Für die Cooperadora in Argentinien gibt es keine Projektvereinbarungen zwischen Action Five und der Cooperadora. Hier sind es vor allem die Absprachen von Anke Voswinkel mit der Cooperadora, die die Verwendung der Gelder festlegen. Schwankende Beträge sind möglich. Für die Cooperadora wäre eine gewisse Kontinuität bzw. die Möglichkeit einer Vorausplanung natürlich wünschenswert.
Die Praxis sieht daher im Moment so aus, dass genau die zweckgebundenen Spenden für Argentinien für diesen Zweck verwendet werden. Jeder zusätzlich hierfür gespendete Euro fließt auch dorthin. Dafür gibt es keine von der Mitgliederversammlung beschlossenen Gelder.
Die zweckgebundenen Spenden für die Landwirtschaftsschule in Brasilien unterschreiten deutlich die von der Mitgliederversammlung beschlossenen Gelder für diesen Zweck. Daher kann man es so sehen, dass auch die zweckgebundenen Gelder für Brasilien voll dorthin fließen. Jeder zusätzlich gespendete Euro bewirkt jedoch de facto keine Erhöhung der Gelder für Brasilien, da wir dies aus oben genannten Gründen nicht für sinnvoll halten. Sollte der hypothetische Fall eintreten, dass die zweckgebundenen Spenden die von der Mitgliederversammlung beschlossenen Beträge übersteigen, so müsste man in eine detailliertere Diskussion über die Verwendung der Gelder mit den Spendern und der Landwirtschaftsschule einsteigen.
Das Geld, was übrig bleibt, und das ist der größte Teil, fließt zu Shanti und wird von dort projektbezogen an Dipshikha oder ASSB überwiesen.
Für zweckgebundene Spenden ist es somit faktisch egal, ob sie zusätzlich zu den von der Mitgliederversammlung beschlossenen Gelder überwiesen werdem oder ob dann der Betrag von der Mitgliederversammlung entsprechend erhöht wird. Um den Wunsch des Spenders so weit wie möglich zu respektieren, schlage ich vor, dass zweckgebundene Spenden zusätzlich zu den von der Mitgliederversammlung beschlossenen Geldern überwiesen wird.
Diese Regelungen schlage ich zur Abstimmung in der Mitgliederversammlung vor (s. Stimmzettel).
(für den Vorstand:)

Andreas

Kassenbericht für das Jahr 1.1.2001bis 31.12.2001 von Action Five Freiburg e.V. Für die Kassenlage von Action Five gibt es sehr Erfreuliches zu berichten. Der Eingang an nicht zweckgebundenen Spenden hat sich mit ca. 20,000 Euro gegenüber dem Vorjahr dramatisch um 58% erhöht. Gründe hierfür sind das Hinzukommen neuer Spender und eine große Einzelspende. Hinzu kommen zweckgebundene Spenden vor allem für die Cooperadora in Argentinien (5655 Euro), für die jetzt weit mehr Geld zur Verfügung steht als zu der Zeit, da Action Five regulär und regelmäßig die Gruppe förderte.
Aufgrund der schwierigen Situation in Argentinien kann das Geld nicht über Bankkonten überwiesen werden, sondern wird von Vertrauenspersonen bei Reisen zur Cooperadora persönlich übergeben. Dies bedingt, dass die Gelder nur gelegentlich transferiert werden können.
Vor einem Jahr wurde noch ein Rückgang der Einnahmen erwartet. Daher wurde die Höhe der Fördergelder für 2002 sehr zurückhaltend beschlossen. Auch ergab sich eine Änderung des Verwendungszwecks in Brasilien. So haben wir für das neue Jahr einen hohen Überschuss von knapp 20,000 Euro zur Verfügung, von denen 3905 für die Cooperadora reserviert sind.
Es ist nicht zu erwarten, dass sich diese Rekordeinnahmen 2003 wiederholen werden. Für die Finanzplanung 2003 schätze ich, dass 15,000 Euro an nicht zweckgebundenen Spenden eingehen werden, was immer noch deutlich über dem Niveau der Vorjahre liegen würde. Lässt man sich eine Reserve für evtl. weiter zurückgehende Einnahmen oder sich kurzfristig ergebende zusätzliche Ausgaben, so stehen etwa 28,000 Euro zur Disposition.

Eine Bitte: Die meisten Überweisungen sind monatliche Daueraufträge. Jede Überweisung muss einzeln verbucht und auf Spendenbescheinigungen ausgewiesen werden. Eine Umstellung auf jährliche oder quartalsweise Daueraufträge würde mir die Verwaltungsarbeit erleichtern.

Nun zu den Zahlen:
Einnahmen (in Euro)

Projekt Quartal I Quartal II Quartal III Quartal IV Gesamt
zweckgebundene Spenden für Cooperadora, Argentinien

-

1925,00

-

3730,00

5655,00

zweckgebundene Spenden für Kindergarten/EFA, Brasilien

556,76

306,76

300,00

306,76

1470,28

zweckgebundene Spenden für Shanti, Bangladesh

-

-

-

1000,00

1000,00

nicht zweckgebundene Spenden

5770,73

4117,31

2631,89

7922,19

20442,12

Zinsen

-

-

31,58

78,65

110,23

Gesamt

6327,49

6349,07

2963,47

13037,60

28677,63

Ausgaben (in Euro)

Projekt beschlossen(für 2002) Quartal I Quartal II Quartal III Quartal IV Gesamt
CooperadoraArgentinien

-

-

1750,00

-

-

1750,00

Shanti, Bangladesh

4000

-

-

-

4000,00

4000,00

KindergartenBrasilien

2500

2504,22

-

-

-

2504,22

EFA, Brasilien

725US$

-

-

-

741,23

741,23

Bank-Gebühren  

24,77

12,40

30,21

75,78

143,16

Gesamt  

2528,99

1762,40

30,21

4817,01

9138,61

Stand 31.12.01 Ökobank: 2426,70 bar: 0 ges.: 2426,70 Euro
Stand 31.12.02 Ökobank: 21965,72 bar: 0 ges.: 21965,72 Euro

Differenz Stand 31.12.01 – Stand 31.12.02 = 19539,02 Euro
Differenz Einnahmen (28677,63) – Ausgaben (9138,61) = 19539,02 Euro

Freiburg, den 21.1.2003
Andreas, Kassenführer

Erklärung der Kassenprüfer:
Am 21.1.2003 haben wir den Kassenbericht und die Kontoauszüge für das Geschäftsjahr 2002 überprüft.
Die Abrechnung ist korrekt und vollständig.
Freiburg, den 21.1.2003
Detlef, Kirsten

Landwirtschaftsschule Escola Familia Agricola (EFA), Pocao de Pedras, Brasilien

Wie bei unserem Besuch in Poção de Pedras im Juni 2002 vereinbart, wurde ein Agrartechniker eingestellt, nachdem die „Assembleia“ zugestimmt hatte. (Die Assembleia ist die Versammlung des Trägervereins der EFA. Ihr gehören die älteren Schüler, die Eltern der Schüler und die Lehrer an, und sie ist das die Entscheidungen treffende Organ der EFA.) Die Assembleia stimmte mehrheitlich für die Annahme des Vorschlages, den Agrartechniker Faryston einzustellen. Er sollte zusätzlich zu den monatlichen 200 R$ Gehalt von der Gemeinde 400 R$ von Action Five bekommen, um ihn dazu zu motivieren, längere Zeit bei der EFA zu bleiben und ihr seine ganze Arbeitskraft zu widmen. Die bisherigen Agrartechniker haben die Stelle oft sehr schnell (teilweise nach wenigen Monaten) wieder verlassen, um besser bezahlte Stellen anzunehmen. Deshalb fehlte es an Kontinuität in der EFA, und der Landwirtschaftsunterricht in der EFA war nicht so gut, wie es mit einem guten, länger mitarbeitenden Agrartechniker möglich gewesen wäre.
Als Bedingung für die Unterstützung von Action Five hatten wir ausgemacht, dass wir einen Projektantrag und alle 3 Monate einen Projektbericht des Agrartechnikers bekommen sowie die Protokolle der Assembleia.
Das Protokoll der Assembleia und den Vertrag von Faryston bekamen wir zugeschickt.
Faryston schickte uns einen Projektvorschlag, der uns sehr ehrgeizig, vielleicht sogar unrealistisch erschien. Entsprechend stellten wir ihm einige Fragen. Später bekamen wir eine von Faryston unterschriebene Empfangsbestätigung über das von uns erhaltene Geld für die ersten 6 Monate.
Den Projektbericht sowie Antwort auf unsere Fragen blieb uns Faryston jedoch über Monate trotz Mahnungen schuldig. Wir kommunizierten mit Terezinha (als Mitglied des Direktoriums der EFA) und Jorge. Da Jorge eine neue Email-Verbindung hat, ist hier die Kommunikation im Vergleich zu früher einfacher, zuverlässiger und schneller.
Schließlich schrieb uns Terezinha folgendes: Die Mitglieder der EFA, insbesondere die Eltern der Schüler, waren mit der Arbeit von Faryston sehr unzufrieden. Es wurde eine Kommission von Schülereltern gebildet, die seine Arbeit begutachtete und feststellte, er sei unmotiviert, arbeite nicht genug und nicht gut. Faryston wurde ermahnt, und nach einigen Wochen beobachtete die Elternkommission ihn von neuem. Eine Verbesserung konnte sie jedoch nicht bemerken. So wurde auf Beschluss der Assembleia der Vertrag von Faryston nicht über Dezember 2002 hinaus verlängert, und es wurden andere Bewerber für die dadurch freigewordene Stelle an der EFA eingeladen. Es stellten sich vor der Assembleia drei Bewerber vor. Von diesen wählte die Assembleia Raimundo aus. Er ist 27 Jahre alt und hat schon Erfahrungen an anderen EFAs in anderen Orten gesammelt. Wir wurden gefragt, ob wir mit seiner Einstellung einverstanden seien, und bejahten dies. Raimundo hat Anfang Februar mit der Arbeit angefangen, und bisher sind EFA-Mitglieder mit ihm sehr zufrieden. Er hat uns bereits einen Projektantrag geschickt, den er auch mit Matias durchgesprochen hat. Matias ist ein erfahrener Agrartechniker, den wir auf seiner beeindruckenden Musterfarm in Poção de Pedras im Juni auch besucht hatten.
Raimundo möchte die landwirtschaftliche Produktion in der EFA erhöhen, so dass der Eigenverbrauch der EFA gedeckt werden und auch noch Produkte verkauft werden können. Er sagt, man lerne durch Sehen besser als durch Hören, deshalb müssen die besseren landwirtschaftlicheren Methoden in der EFA selbst vorgeführt werden. Z.B. möchte er Mais als Futter für die Kühe anbauen, wodurch er sich höhere Milcherträge verspricht.
Auf Wunsch der Schülereltern will sich Raimundo intensiver um die Familien der Schüler in den Dörfern kümmern. Vier Familien in zwei Dörfern werden von ihm alle zwei Wochen besucht und besonders betreut, um ihre landwirtschaftlichen Methoden zu verbessern. Die anderen Familien werden alle 2 Monate besucht. Den ausgewählten Familien soll die EFA ein Kalb und Küken aus eigener Zucht zur Verfügung stellen. Nach ein bis zwei Jahren sollen diese Familien entsprechendes anderen Familien zur Verfügung stellen. Alle Schülerfamilien sollen Obstbaumsetzlinge erhalten, die die Schüler selbst unter Anleitung von Raimundo gezogen haben.
Raimundo bittet Action Five um Hilfe für eine Anfangsinvestition für seine Vorhaben. Er benötigt 5000 R$ (ca. 1330 Euro), davon 1980 R$ für Saatgut, 1136 R$ für Werkzeug, 1285 R$ für Gartenzubehör und 580 R$ für Medikamente für die Tiere (Impfstoffe, Medikamente, z.B. gegen Parasitenbefall…).
Der Vorstand beantragt die Fortsetzung des Gehaltszuschusses für den Agrartechniker (400 R$ + 18.72% Sozialversicherung, ca. 127 Euro monatlich) für die Zeit vom 1.2.2003 bis 31.12.2003 (insgesamt 5224 R$, ca. 1394 Euro), sowie die einmalige Zahlung von 5000 R$ (ca. 1330 Euro) für Saatgut, Werkzeuge und Medizin.

für den Vorstand: Anneke

Dipshikha/ASSB/Shanti, Bangladesh

Auf meiner Projektreise im Februar dieses Jahres besuchte ich Dipshikha mit Schwerpunkt auf dem „Integrated Community Development Project (ICDP)“. Das Projekt läuft seit 1999 und umfasst 6 Bereiche: Kleinkredite und Sparprogramm, Kurse für moderne landwirtschaftliche Technologien und Demonstrationsfelder, Vorschulen, Gesundheit, Frauenarbeit und Weiterbildung der Mitarbeiter Dipshikhas. Mitglieder aus armen Familien mit keinem oder nur sehr geringen Landbesitz treffen sich wöchentlich in Gruppen. 15 sind rein männlich, 57 rein weiblich besetzt. Insgesamt sind es 1961 Gruppenmitglieder. Die Idee des Kreditprogramms ist es, durch Vergabe von Kleinkrediten die Familien zu Investitionen zu befähigen, die Gewinne abwerfen, von denen dann auch der Kredit wieder zurückgezahlt werden und erneut vergeben werden kann. Aus den Gebühren (14% für eine Rückzahlzeit von einem Jahr) können bei Rückzahlquoten von 85% die Gehälter der Mitarbeiter finanziert, bei höheren Rückzahlquoten sogar Überschüsse für andere Programmbereiche erwirtschaftet werden. Das Kreditprogramm stellte bisher eine wichtige Grundlage für die reduzierte Weiterführung der Dipshikha Aktivitäten nach Ende eines Projektes dar, d.h. es finanzierte sich selbst aus den Einnahmen aus den Krediten.
Ein Fallbeispiel: Gita Rani Roy (35) ist weibliches Gruppenmitglied. Ihr Ehegatte ist Tagelöhner, der gelegentlich, wenn er keine Arbeit findet, Senföl auf dem Dorfmarkt verkauft. Allerdings fehlt es ihm hierzu an Kapital. Gita lernte die Bedeutung der Gruppenaktivitäten, erhielt auch Trainings von Diphsikha zu Gemüseanbau und dem Umgang mit Kleinkrediten. 1999 erhielt sie einen Kredit über 2000 Taka (ein Tagelöhner bekommt etwa 50 Taka am Tag, ein Euro entspricht 60 Taka, ein Kilo Reis kostet ca. 12 Taka). Sie kaufte davon eine Kuh, die wenige Monate später ein Kalb gebar. Eine Teil der Milch verwandte sie für ihre Familie, den Rest verkaufte sie und erhielt so ein zusätzliches Einkommen. Nach Rückzahlung des ersten Kredites nahm sie einen zweiten auf, diesmal über 3500 Taka. Davon reparierte sie ihre Senfkornpresse und kaufte Senfkörner, so dass sie wieder Senföl verkaufen konnte. Ihr Gatte war ihr dabei behilflich. Häufig kommen Dorfbewohner, die ihre Senfkörner gegen Bezahlung bei Gita pressen lassen. Auch erhielt sie ein Training, das die Grundregeln des Kleinunternehmertums vermittelt. Ihr Kapital ist jetzt 8000 Taka, und ihr monatliches Einkommen etwa 900 Taka. Aus den Gewinnen der Ölpresse konnte Gita auch etwas Land (10 Dezimel) kaufen und ihr Haus reparieren. Sie hat zwei Söhne und eine Tochter. Ihre Kinder besuchen die örtliche Grundschule.
Im ersten Jahr des ICD-Projektes betrug die Rückzahlquote des Kreditprogramms noch 98%. Dies ist eine sehr beeindruckende Zahl, wenn man den finanziellen Druck bedenkt, unter dem die Gruppenmitglieder ständig stehen. Mittlerweile ist die Rückzahlquote stark gefallen. Zur Zeit steht nur noch etwa ein Drittel des ursprünglichen Kreditfonds zur Verfügung. Hauptgrund scheint mir weniger die mangelnde Kapazität der Kreditnehmer zur Rückzahlung zu sein, als vielmehr die fehlende Motivation. Während andere Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) bei Nicht-Rückzahlung von Kleinkrediten mit Pfändung von dem letzten Besitz drohen (und dies auch tun), beschränkt sich Dipshikha darauf, einen sozialen Druck durch die anderen Mitglieder der Gruppe aufzubauen und seine eigene Autorität ins Spiel zu bringen. Teilweise sind es jedoch ganze Gruppen, die die Rückzahlung der Kredite verweigern. Solche Schwierigkeiten finden sich in ganz Bangladesh wieder. So beschränken sich einige große NROs darauf, Kredite an Familien mit ausreichenden Sicherheiten auszugeben oder ziehen sich vom Land in die Städte zurück.
Es bedarf einer genaueren Analyse der Gründe für den Rückgang der Rückzahlquote und der Entwicklung eines neuen Konzepts für das Kreditprogramm. Dies wird geschehen. In einem neueren Projekt Dipshikhas werden neue Ansätze ausprobiert. Dies betrifft z.B. die Kombination von Sparen und Kredit (eine Art von Bausparvertrag: die Familie spart z.B. ein Drittel Jahr, erhält dann den Kredit und zahlt anschließend zurück), aber auch kürzere Kredite im Landwirtschaftsbereich (Zur Verfügung Stellen von Saatgut und Kunstdünger in der Saatzeit, Rückzahlung erfolgt in der Erntezeit). Wesentliche Neuheit des Projektes ist die intensivere Betreuung der einzelnen Familien statt einer Gruppenbildung. Dadurch steht zu hoffen, dass die Art der Kreditinvestition besser beraten und verfolgt werden kann und sowohl die Kapazität als auch die Motivation der Rückzahlung gesteigert wird. Erste Ergebnisse sind allerdings erst in einem Jahr zu erwarten.
Die Ziele im landwirtschaftlichen Bereich wurden weitgehend erreicht. So wurden Trainings abgehalten zu Getreide- und Gemüseanbau, Hühner- und Fischzucht, nachhaltiger Landwirtschaft, Kompost, Tierimpfungen, und Demonstrationsfelder mit Tomaten, Kartoffeln, Getreide, Gemüse und Mais bepflanzt.
In 20 Vorschulen werden etwa 500 Kinder unterrichtet. Die Vorschulen sollen Eltern und Kinder an einen regelmäßigen Schulbesuch gewöhnen, leisten aber wesentlich mehr. Die Qualität der staatlichen Schulen ist sehr gering. Die Lehrer sind schlecht motiviert, und schlagen oft die Kinder, so dass diese Angst haben, zur Schule zu gehen. Die Vorschulen Diphsikha stehen auf einem weit höherem Niveau und werden entsprechend von den Eltern hoch geschätzt.
Im Gesundheitsbereich werden bei den Gruppentreffen und in größeren Versammlungen Vorträge zu den Themen Gesundheit, Hygiene und Ernährung gehalten. So kann z.B. das Wissen um die Wichtigkeit von reichlichem Trinken von einfachen Zucker-Salz Lösungen bei Durchfallerkrankungen vor allem von Kindern Leben retten.
Familienplanung wird eingehend besprochen. Es ist beeindruckend zu beobachten, wie die Aktivitäten Dipshikhas ein so tief verwurzeltes Verhalten wie den Wunsch nach vielen Kindern ändert. Idealbild ist eine Tochter und ein Sohn. Hat man allerdings zwei Töchter, so kommt dann doch noch das dritte Kind, das dann hoffentlich männlich ist.
Darüber hinaus werden Kleinkinder in ihrem Wachstum und schwangere Mütter besonders begleitet.
Zur Versorgung der Familien mit gutem Trinkwasser (das sogar deutsche Mägen problemlos aufnehmen können) werden ca. 20m tiefe Pumpbrunnen installiert. Zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse werden Latrinen verteilt. Etwa ein Drittel der Kosten müssen dabei die Familien selbst aufbringen.
Frauen stehen meist im Mittelpunkt der Entwicklungsvorhaben, da sie für viele entwicklungsrelevanten Bereiche die Schlüsselrolle einnehmen. Bereits durch die Vergabe von Kleinkrediten wird ihre Rolle gestärkt, da sie jetzt zum Einkommen der Familie beitragen. Darüber hinaus gibt es spezielle Trainings und Treffen, die das Bewusstsein der Frauen stärken und sie über ihre Rechte aufklären sollen. Beispiele sind für den Fall einer Scheidung die Rückgabe der Mitgift oder das Auszahlen eines hohen Geldbetrags, der bei dem Ehevertrag bereits vereinbart sein sollte. Es gab einen Fall, bei dem ein verwitwetes Gruppenmitglied erfolgreich gegen Misshandlungen durch ihren Schwager vor Gericht zog. Das stellt eine große Ausnahme dar, hat aber Signalwirkung.
Die Weiterbildung der Mitarbeiter Dipshikhas ist sehr wichtig. Die Basisarbeit wird durch sog. „field worker“ geleistet (eine Art Sozialarbeiter), die allerdings nur eine allgemeine Schulausbildung haben (entspricht etwa dem deutschen Abitur). Für eine erste Einweisung und zur Vertiefung ihrer Kenntnisse veranstaltet Diphsikha eigene Seminare. Manche Mitarbeiter werden auch auf fortgeschrittene Seminare in die Landeshauptstadt geschickt. Den wichtigsten Beitrag zur Ausbildung liefert jedoch die Arbeit selbst. Sie werden sehr eng durch ihre Vorgesetzten betreut. Regelmäßig wird das Projekt durch die leitenden Mitarbeiter Dipshikhas besucht, die eigentlich ihr Büro in der Hauptstadt haben, aber sehr oft in den Projekten anzutreffen sind. Dies leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung. Die Ausbildung der Dipshikha Mitarbeiter ist so gut, dass viele zu anderen NRO´s abwandern, wo sie oft höhere Gehälter bekommen. Das reißt mitunter Lücken in den Personalplan. Bei dem Projekt ICDP hatte zur Zeit meines Besuchs gerade knapp die Hälfte des Personals in dem letzten halben Jahr gewechselt. Dipshikha tut sein best Mögliches, indem es für ein angenehmes Arbeitsklima sorgt, und auch leistungsabhängige Gehaltserhöhungen bewilligt. Ansonsten muss man sich damit trösten, dass gute Mitarbeiter auch in anderen NRO´s gebraucht werden und einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Landes leisten.
Das Berichtswesen („monitoring“) ist sehr professionell. Die Führungsspitze in der Hauptstadt weiß sehr genau, was im Projekt läuft (und was nicht) und reagiert schnell, wie ich auch im Falle des Kreditprogramms im ICDP nachvollziehen konnte. Nur in den Berichten, die nach Deutschland gehen, finden sich viele Lücken. Im persönlichen Gespräch sind die Mitarbeiter Dipshikhas allerdings sehr offen, und man kann gut auch kritische Dinge diskutieren. Hier zahlt sich das partnerschaftliche Verhältnis aus. Der persönliche Kontakt durch Besuche lässt sich allerdings nicht durch Briefe ersetzen.
Nun steht die Frage an, ob dieses Projekt über sein geplantes Ende (31.12.2003) hinaus verlängert werden soll. Ich habe hierzu um eine genaue Analyse der geringen Rückzahlungen der Kredite und einen Vorschlag für ein neues Konzept gebeten. Im April wird eine kurze Evaluation statt finden. Am Ende des Projektes steht eine ausführlichere. Das wird die Basis für die Entscheidung sein, wobei es anzustreben ist, dass möglichst keine Lücke in der Finanzierung entsteht. Das wäre schlecht für die Mitarbeiter und auch für die Gruppenmitglieder.
Dipshikha führt weitere Projekte, die meist ähnliche Inhalte (und ähnliche Probleme) haben, aus. Ich besuchte noch kurz zwei durch ihre Innovativität herausragende Projekte.
Zu der „integrierten Dorfentwicklung unter aktiver Einbeziehung der gesamten Familie“ beschrieb ich im letztjährlichen Rundbrief ausführlich den Projektantrag. Jetzt, nach einer eingehenden Erhebung, werden die ersten „Familienkarten“ verteilt. In diesen Karten werden von den Dipshikha Mitarbeitern zusammen mit den Familien die Ressourcen der Familien und ein Fünf-Jahres-Plan für die Weiterentwicklung eingetragen. Beispiele für Projekte der Familie können sein: Anbauen von Reis, Besuchen eines Kurses, Sparen auf den Kauf einer Ziege, einer Rickscha oder eines Pumpbrunnens. Jede Familie hat ihren eigenen Plan, und erhält entsprechend individuell Unterstützung, z.B. durch Saatgut, Kleinkredite, Kurse, oder vergünstigte Latrinen oder Brunnen.
Da dieser sehr auf die individuelle Familie gerichtete Ansatz viele Neuheiten enthält, darf man auf die Ergebnisse gespannt sein.
Weiter besuchte ich kurz die Modellschule (Modern Education and Training Institute, METI). Die Schule bemüht sich besonders um eigenständiges Denken, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität der Schüler. Sie steht im krassen Gegensatz zu den staatlichen Schulen, an denen die Schüler geschlagen werden, vorwiegend auswendig lernen, ohne die Inhalte zu begreifen, und der Apparat stark durch Korruption beeinträchtigt ist. Tatsächlich sind die Schüler bei METI anders: ein Schüler z.B. beantwortete Fragen zu einem Text in einem Lehrbuch nicht nur mit eigenen Worten (was schon sehr beachtlich ist), sondern fügte sogar noch eine eigene Meinung an, die nicht im Text stand. In staatlichen Schulen ist das undenkbar. Schwierigkeiten hat die Schule mit ihrer Effizienz. So sind die Klassen recht klein (ca. 10 Schüler, bis zu 25 sind geplant), was finanzielle Probleme aufwirft. (Es wird ein Schulgeld von 200 Taka im Monat erhoben.) Der Schulleiter ist sicher, dass mit der Zeit sich die Schule einen sehr guten Ruf verdienen wird, so dass auch mehr Eltern ihre Kinder auf die Schule schicken werden. Ein Antrag zur weiteren Finanzierung der Schule liegt bei Shanti vor.
Mein Gesamteindruck von Diphsikha war, dass sie eine hervorragende Arbeit leisten. Es gibt Schwierigkeiten, wie sie bei so ehrgeizigen Zielen nicht zu vermeiden sind. Fragte ich mich jeweils „kann man es in denen gegebenen Bedingungen realistisch besser machen?“, so kam ich immer zu dem Schluss, dass Dipshikha bestmöglich arbeitet.
Neben der Organisation Dipshikha, die seit etwa 20 Jahren besteht und ca. 300 Mitarbeiter hat, ist die zweite Partnerorganisation Aloha Social Services Bangladesh (ASSB) deutlich kleiner und jünger. Liegt der Schwerpunkt bei Dipshikha auf der Stärkung des Einkommens der Familien (Landwirtschaft, Kredit, Kleinunternehmen), so hebt sich ASSB durch seine Frauenarbeit hervor. In einem von Shanti und dem Bundesministerium für Zusammenarbeit finanzierten Projekt sind Frauen aus 15 Dörfern in 53 Gruppen organisiert. Neben der umfassenden Bewusstseinsbildung in sozialen, rechtlichen, gesundheitlichen und Familienplanungs- Fragen werden Spar- und Kreditprogramme und die Gründung von Familien-Kleinstunternehmen (Reisschälen, Fischzucht, Tierhaltung, Gemüseanbau, Baumschule, Rikscha) durchgeführt und Pumpbrunnen und Latrinen verteilt. Ein Gesundheitszentrum wird ausgebaut. Es wurden bereits Operationen durchgeführt.

Förderantrag:
Aufgrund der hervorragenden Arbeit von Dipshikha, ASSB, und Shanti und dem sehr engen Kontakt beantragt der Vorstand die Unterstützung von Shanti e.V. zur Förderung von Dipshikha und ASSB in Bangladesh mit 25,000 Euro für den Zeitraum vom 1.1.03 bis zum 31.12.03.

für den Vorstand: Andreas Georg

Cooperadora Charles de Foucauld, Reconquista, Argentinien:

Liebe Freunde und Spender,
die Lage für die Menschen in den Armenvierteln in Argentinien ist nach wie vor prekär. Caty aus dem Barrio Guadeloupe hat Anke geschrieben, dass viele Männer, die über Jahre eine feste Arbeit hatten, wie auch ihr eigener und Susanas Mann, inzwischen arbeitslos sind und nur noch Gelegenheitsarbeiten verrichten.
In Argentinien gab es im Herbst die ersten Hungertoten. Bilder von verhungernden Kindern vor allem in der Provinz Tucumán, wie man sie sonst nur aus Afrika kennt, fanden auch den Weg in unsere Presse – und das in einem Land, in dem auf ca. 33 Millionen Einwohner 57 Millionen Kühe kommen, das 2,45 Millionen Tonnen Fleisch im Jahr 2001 exportiert hat und 70 Millionen Getreide. Etwa 50 % der Bevölkerung lebt dabei unterhalb der Armutsgrenze. Es heißt, dass jedes 5. Kind unter 5 Jahren unterernährt ist. Von fünf Geburten werden vier Kinder schon unterernährt geboren. Auch viele Mittelklassefamilien sacken ab in die Armut.
An den Zugängen zu einer Reihe von Elendsvierteln wurden ironische Schilder aufgestellt: „Willkommen Mittelklasse“.
Auch viele Kinder in Guadeloupe leiden an Unterernährung und Blutarmut. Die Cooperadora hat im zweiten Halbjahr die Milchverteilungen wieder aufgenommen. Samstags und Sonntags gibt es inzwischen auch eine Speisung für die bedürftigsten Kinder. 70 Familien in Guadeloupe erhalten je einen Liter Milch dreimal pro Woche. Zwei Frauen aus dem Barrio verteilen diese, führen eine Karteikarte für jede Familie, kontrollieren die hygienischen Verhältnissen bei den Empfängern. Die Milch kommt aus einer Molkerei in der Nähe. Die Voraussetzungen für eine Milchverteilung würden noch viel mehr Familien im Barrio erfüllen, aber dafür fehlen die Mittel. Im Dezember hat die Cooperadora sogar sechs Familien mit unterernährten Kindern, die am schlechtesten dran waren, Geld für Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Auch im Übrigen unterstützt die Cooperadora immer wieder einzelne Familien moralisch und finanziell, wenn es um den Kauf den Medikamenten, Lebensmitteln etc. geht.
Eine große Belastung für das Barrio stellt es dar, dass die Stadt die Wasserversorgung abgestellt hat. Das Barrio schuldet ca. $ 6.000,00 – die Wasserkosten für sechs Monate. Von den 370 Familien, die an der Wasserversorgung angeschlossen waren, haben nur etwa 100 Familien ihre Wasserkosten bezahlt. Vielen Familien fehlt einfach das Geld dafür. Das Wasserleitungssystem ist so simpel gebaut, dass die einzelnen Häuser keinen gesonderten Hausanschluss haben. Es ist daher nicht möglich, die Häuser einzeln an die Wasserversorgung anzuschließen oder davon abzutrennen. Daher wurde im Oktober kurzerhand das gesamte Barrio von der Wasserversorgung abgekoppelt. Um das Wasserproblem im Barrio zu lösen, fanden ab November Versammlungen statt. Es soll mit allen Familien besprochen werden, warum sie den Wasserbeitrag nicht bezahlen, um die Probleme zu ermitteln und die Zahlungsmoral zu erhöhen. Die Wasserkommission versucht, wenigstens die Mittel für eine erste Ratenzahlung aufzutreiben, damit die Wasserversorgung wenigstens für zwei Stunden pro Tag wieder angestellt wird. Nach den Gesprächen mit den Familien soll überlegt und in einer Versammlung mit dem Barrio beschlossen werden, ob man Hausanschlüsse für die einzelnen Häuser legt. Diese könnten aber relativ leicht „illegal“ umgangen werden. Alternativ könnten relativ teure Apparate angeschafft werden, die die Wasserzufuhr pro Grundstück strikt begrenzen können, wenn eine Familie säumig ist.
Im Januar muss eine neue Wasserkommission gewählt werden, da die Amtszeit der alten abgelaufen ist. Nach Juanins Aussagen hat sie äußerst genau Buch geführt über Einnahmen und Ausgaben z. B. auch die Einnahmen einer „Lotterie“, um Gelder aufzutreiben. Für jede Familie wird genau Buch geführt, ob und wie viel sie bezahlt hat.
Von Geldern, die Markus Keller gesammelt hat und zum Teil von unseren Geldern, sind für sechs Familien, die in sehr prekären Wohnverhältnissen lebten, Ziegel-Zimmer gebaut worden. Ihr habt richtig gelesen: Da das Geld für den Bau eines einfachen Hauses mit Sanitäreinrichtungen (Kosten $ 4.000,00 – $ 6.000,00) nicht reicht, hat man sich entschieden, für solche Familien wenigstens ein Zimmer mit Ziegelmauern, befestigtem Boden, Blechdach und Holzdecke zu bauen, jedes kostet ungefähr $ 357,00. Die Arbeiten wurden unterstützt von Maurern, die in einer Art staatlichen ABM-Plan eingeschlossen sind. Arbeitslose aus verschiedenen Jobs erhalten nach diesem Plan $ 100,00 monatlich für bestimmte Arbeiten. Die Cooperadora will weitere Familien auf diese Weise unterstützen, deren Hütte in katastrophalem Zustand ist und die keine eigenen Mittel für Verbesserungen haben.
Die Nähwerkstatt in Guadeloupe wurde im letzten Jahr von den Beteiligten mit großer Energie fortgeführt. Einige neue Koordinatorinnen wurden integriert. Die Kurse finden montags bis freitags zwischen 14:00 Uhr und 20:00 Uhr statt, insgesamt haben ungefähr 80 Frauen verteilt auf acht Gruppen teilgenommen. Die Cooperadora trifft sich regelmäßig mit den Frauen, um über die anstehenden Aufgaben und die Beziehungen der Frauen untereinander mit Ihnen zu besprechen. Zum Jahresabschluss haben sie wieder eine Ausstellung ihrer Arbeiten organisiert.
Die Cooperadora hat 2002 35 Schülerstipendien gegeben, 20 für die Landwirtschaftsschulen EFAS und 15 für Schüler aus den Elendsvierteln von Reconquista. Die Internatsschüler auf den EFAS haben $ 30,00 im Monat erhalten, die Schüler aus Reconquista $ 25,00. Acht Schüler konnten dieses Jahr die weiterführende Schule Secundaria beenden.
Am 12.10.2002 wurde das Jahrestreffen mit den Schülern abgehalten. Die Stipendiaten haben einen Tag mit den Mitgliedern der Cooperadora verbracht zum Erfahrungsaustausch, gemeinsamen Essen und thematischer Arbeit. Orlando Pilatti hat die Themenarbeit geleitet mit Informationen, kleinen Filmen und Kleingruppenarbeit der Schüler/innen zum Thema „Licht und Schatten der Realität in Argentinien und der Welt“ (einschließlich Globalisierungsfrage)“. Hier ein Auszug der gesammelten Ergebnisse, die nach der Häufigkeit der Nennungen geordnete Liste von Licht und Schatten:

Licht

Schatten

   

Solidarität

Kommunikation

Engagement

Glaube

Hoffnung

Kultureller Austausch

Wissenschaftlich-technische Fortschritte

Projekte (Mikro-Unternehmungen)

Nicht-Regierungsorganisation

Mangel an Arbeitsplätzen

Korruption

Ungerechtigkeit

Gewalt

Verlust an Identität

Hunger

Sozialer Verfall

Unbefriedigte Grundbedürfnisse

Diskriminierung

Die Cooperadora hat die argentinische Krise in ihrem dreiseitigen Jahresrundbrief als politischen und wirtschaftlichen Teufelskreis beschrieben. Laut Juanin ist der einzig positive Aspekt der Krise, dass die Menschen in Reconquista sich wieder mehr auf ihre eigenen Fähigkeiten besinnen. Die ökonomische Not zwingt die Menschen dazu, auf handwerklichen und anderen Gebieten selbst und lokal zu machen, was möglich ist. Dies zeigt sich in den Tauschmärkten, aber nicht nur dort. In ihrem Rundbrief drückt die Cooperadora noch mal ihren tiefen Dank an alle Spender aus, ohne deren Unterstützung die Fortführung ihrer Aktivitäten nicht möglich wäre.

Anke

Stimmzettel für die Wahlen der Mitgliederversammlung von Action Five Freiburg am 10.4.2003,
20.15Uhr in der Richard-Wagner-Straße 37, 79104 Freiburg.

Abstimmungen zum Vorstand:

Ich stimme für die Entlastung des Vorstandes (1. Vorsitzende: Anneke, 2. Vorsitzender: Jürgen, Kassenführer: Andreas)
m Ja m Nein m Enthaltung

 

Ich stimme für die Kandidatin für das Amt der 1. Vorsitzenden: Anneke
m Ja m Nein m Enthaltung

 

Ich stimme für den Kandidaten für das Amt des 2. Vorsitzenden: Jürgen Kayser
m Ja m Nein m Enthaltung

Ich stimme für den Kandidaten für das Amt des Kassenführers: Andreas
m Ja m Nein m Enthaltung

Abstimmungen über Projektanträge und Umgang mit zweckgebundenen Spenden:

Ich stimme für die Unterstützung des Gehaltes des Landwirtschaftstechnikers und seines Projektes zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion an der Landwirtschaftsschule EFA in Pocao de Pedras, Brasilien, mit insgesamt 10224 R$ (ca. 2724 Euro) für den Zeitraum vom 1.2.03 bis zum 31.12.03:
m Ja m Nein m Enthaltung
Kommentar:

Ich stimme für die Unterstützung von Shanti e.V. zur Förderung von Dipshikha und Aloha Social Services Bangladesh in Bangladesh mit 25000 Euro für den Zeitraum vom 1.1.03 bis zum 31.12.03:
m Ja m Nein m Enthaltung
Kommentar:

Ich stimme dafür, dass zweckgebundene Spenden wie in dem Rundbrief vom 18.3.2003 beschrieben auf die von der Mitgliederversammlung beschlossenen Beträge angerechnet werden (Landwirtschaftsschule in Pocao, Brasilien) bzw. nicht angerechnet werden (Cooperadora, Argentinien; Shanti, Bangladesh)
m Ja m Nein m Enthaltung
Kommentar: