Rundbrief 2004

 Freiburg, den 17.01.04

Action Five
Lorettostr. 24
79100 Freiburg
Email: actionfive@web.de
http://action5.toplink.de

Liebes Mitglied!
wir möchten Sie herzlich zu unserer diesjährigen ordentlichen Mitgliederversammlung einladen. Sie findet am Dienstag, 10. Februar 2004, 20.00Uhr bei Georg in der Richard-Wagner-Straße 37, 79104 Freiburg, statt.
Die Tagesordnung umfasst, wie in den letzten Jahren, folgende Punkte:

1. Entgegennahme des Rechenschaftsberichts vom Vorstand
2. Entlastung des Vorstandes (1. Vorsitzende: Anneke, 2. Vorsitzender: Jürgen, Kassenführer: Andreas)
3. Wahl des neuen Vorstandes (es kandidieren: 1. Vorsitzende: Anneke, 2. Vorsitzende: Anna, Kassenführer: Andreas)
4. Anträge des Vorstands zur Projektförderung
5. Sonstiges

Da wir nach Satzung zur Beschlussfähigkeit mindestens 10 abgegebene Stimmen benötigen (mündlich oder schriftlich), bitten wir Sie, zumindest den beigefügten Stimmzettel abzuschicken.
Das Protokoll der Mitgliederversammlung mit den Abstimmungsergebnissen werden wir auf unserer Homepage im Internet veröffentlichen.
Erinnerung: Aufgrund der Fusion der Ökobank mit der GLS Gemeinschaftsbank eG änderte sich die Kontonummer und die Bankleitzahl des Action Five Kontos. (Das gibt auch Gelegenheit, evtl. monatliche Daueraufträge auf jährliche, halb- oder vierteljährliche Überweisungen zu ändern, was mir die Verwaltungsarbeit erleichtern würde). Auch haben wir eine neue Email-Adresse (actionfive@web.de).

Für den Vorstand: Andreas

Rechenschaftsbericht des Vorstands

Es gibt wieder einen Arbeitskreis, der diesen Namen verdient. Zwei neue Aktive sind engagiert dabei, was uns sehr freut, eine davon kandidiert jetzt auch für die 2. Vorsitzende.
Im Februar besuchte ich das „Integrated Community Development Project“ von Dipshikha in Bangladesh. Hierzu liegt jetzt ein Antrag über ein Anschlussprojekt vor.
Bei der Landwirtschaftsschule „Escola Familia Agricola“ in Brasilien hält sich zur Zeit eine deutsche Freiwillige auf, die im Anschluss an ihr Abitur für ein halbes Jahr die Landwirtschaftsschule und für ein weiteres halbes Jahr die „Cooperadora“ in Argentinien besucht.
Im Herbst hatten wir Gäste von Dipshikha aus Bangladesh, hauptsächlich von der Modellschule „METI“. Entsprechend besuchten wir ein staatliches Gymnasium und eine Waldorfschule, die in ihrem Konzept der Modellschule „METI“ sehr ähnlich ist.
Bei verschiedenen Anlässen präsentierte sich Action Five mit einem Info-Stand. Ich hielt einen Vortrag in der evangelischen Studentengemeinde zu Kleinkrediten in Bangladesh und einen weiteren zur Landwirtschaftsschule in Brasilien.

Viele Grüße und ein gutes Jahr
Für den Vorstand: Andreas


Kassenbericht für das Jahr 1.1.2003 bis 31.12.2003 von Action Five Freiburg e.V.

Der Eingang an nicht zweckgebundenen Spenden ist mit knapp 13.000€ erwartungsgemäß deutlich unter dem Vorjahreswert geblieben, aber immerhin höher als vor zwei Jahren. Die zweckgebundenen Spenden für die Cooperadora in Argentinien sind mit knapp 2.4000€ deutlich niedriger als im Vorjahr (knapp 5700€). Nach wie vor kann aufgrund der schwierigen Situation in Argentinien das Geld nicht über Bankkonten überwiesen werden, sondern wird von Vertrauenspersonen bei Reisen zur Cooperadora persönlich übergeben. Dies bedingt, dass die Gelder nur gelegentlich transferiert werden können und die Cooperadora im Jahr 2003 wesentlich mehr Geld erhielt als im Jahr zuvor.
Die Grafik zeigt die zeitliche Entwicklung der jährlichen Einnahmen aus nicht zweckgebundenen Spenden und gesamt seit 1996 (für 1996 ohne den damaligen BMZ Zuschuss für Wasserspeicher in Peru). Bis auf das Ausnahmejahr 2002 ist die Tendenz eher rückläufig.
Geht man für 2004 von einem gleich hohen Eingang an nicht zweckgebundenen Spenden aus, wie 2003, dann stehen 19000€ zur Verfügung.

 Projektbezogene Beträge (in Euro, bei EFA auch in brasilianischen Reais)

Projekt Zweckgebundene Spenden Beschlossene Ausgaben Getätigte Ausgaben Übertrag für Folgejahr

 

Einnahmen/€

 

Nicht zweckgebundene Spenden

12687,10

Zweckgebundene Spenden

5802,04

Zinsen

139,67

Einnahmen gesamt

18628,81

 

 

Ausgaben/€

 

Überweisungen an Projekte

34132,37

Bankgebühren

-143,02

Ausgaben gesamt:

-34275,39

 

 

Differenz Einnahmen – Ausgaben

-15646,58

Stand 31.12.02            GLS-Bank: 21965,72 €           bar: 0   ges.: 21965,72 €
Stand 31.12.03            GLS-Bank: 6319,14€  bar: 0   ges.: 6319,14€

Differenz Stand 31.12.02 – Stand 31.12.03     = -15646,58€
Differenz Einnahmen – Ausgaben                                 = -15646,58€

Freiburg, den 16.1.2004
Andreas, Kassenführer

Erklärung der Kassenprüfer:
Am 16.1.2004 haben wir den Kassenbericht und die Kontoauszüge für das Geschäftsjahr 2003 überprüft. Die Abrechnung ist korrekt und vollständig.
Freiburg, den 16.1.2004
Maren, Kirsten

 

Praktikantenbericht von der EFA, Poção de Pedras, Brasilien
(Praktikumszeitraum: August 2003 – Februar 2004)

„Oi, meu nome é Adele. Tenho 20 anos. Sou da Alemanha. Eu vou ficar seis meses em Poção de Pedras e eu ensino Inglês na Escola Família. Não sou casada e não tenho filhos.“

[Hallo, mein Name ist Adele. Ich bin 20 Jahre alt. Ich komme aus Deutschland. Ich werde sechs Monate in Poção de Pedras bleiben und ich unterrichte Englisch an der „Escola Familia“. Ich bin nicht verheiratet und ich habe keine Kinder.]
… das war zu Anfang meine Standardeinführung, wenn mich mein „brasilianischer Vater“ Jorge mal wieder zu einer Versammlung mitgeschleppt hat und die Blicke aller Anwesenden an mich hafteten und alle kaum erwarten konnten zu erfahren, wer dieses große, weiße Mädchen ist.
Mittlerweile bin ich schon drei Monate hier in Poção de Pedras, die Neugier der Leute hat jedoch kaum nachgelassen…
Poção de Pedras liegt im Bundesstaat Maranhão im Nordosten Brasiliens und hat zur Zeit ca. 20 000 Einwohner. Man kennt sich also relativ gut untereinander und als deutsche Praktikantin ist man sowieso bekannt wie ein bunter Hund.
Man muss sich schnell daran gewöhnen, dass alle extrem neugierig sind sobald man irgendwo auftaucht und sich sofort Leute um einen scharen, die bewundernswert über die hellen glatten Haare streichen und einen mit großen erwartungsvollen Augen ansehen.
Die gängigsten Fragen, die man sich stellen muss, sobald man sich (mal wieder) vorgestellt hat sind die, ob man denn verheiratet ist, Kinder hat oder wenigsten einen „namorado“ (einen festen Freund).
Worauf man sich auch gefasst machen muss, sind Fragen nach der NS-Zeit und wie man zu Hitler steht. Die meisten hier haben wenig Ahnung vom Dritten Reich und machen daher oft unpassende Witze. Manchmal muss man sich etwas Zeit nehmen um zu erklären, dass Scherze in diesem Zusammenhang nicht möglich sind.
Sobald ich eine Strasse entlanggehe, spüre ich nach wie vor die neugierigen Blicke, mir zum Teil unbekannter Menschen, die aber natürlich alle wissen, wer ich bin. Ich fühle mich immer noch etwas unsicher und weiß nicht, ob ich die Blicke erwidern, die Leute grüssen, einfach nur zurücklächeln oder sie ignorieren soll.
Ignorieren fällt schwer, da man immer irgendwo ein tuscheln und kichern hört: „É a alemã que mora na casa do Jorge!“ (Das ist die Deutsche, die in Jorges Haus wohnt!)
Jorge Rosa Cruz ist ein Mitbegründer der „Escola da Familia Agricola“ (EFA), eine Schule, die neben den üblichen Schulfächern eben noch Landwirtschaftsunterricht anbietet. Die Schüler (alle ausnahmslos aus der Landgegend Poçãos) sind phasenweise einige Wochen an der EFA und kehren dann für den gleichen Zeitraum nach Hause zurück um das Gelernte praktisch anzuwenden.
Die Atmosphäre an der EFA ist sehr familiär und nicht mit der einer deutschen Schule zu vergleichen. Das liegt zum einen daran, dass die Schüler hier übernachten und beinahe zusammen mit den Lehrern leben, zum andern ist es die brasilianische Mentalität die Schüler und Lehrer sehr eng aneinander bindet. Es ist ganz natürlich, dass man Privatleben und Schulleben verknüpft, dass man über Liebesleben und Familienprobleme aller bescheid weiß und auch mit „gutem Rat“ zur Seite steht.
Da Jorge in sehr vielen Projekten und Organisationen (vor allem im politischen Bereich) tätig ist – er ist unter anderem örtlicher Präsident der „Brasilianischen Sozialistischen Partei“ und Berater des Vorstands der „Gewerkschaft der Landarbeiter“ – ist er allen in der Stadt bekannt, vor allem aber genießt er sehr großen Respekt unter allen Einwohnern. Im Gegensatz zu den meisten Leuten hier, sind seine Vorstellungen und Ideen sehr „modern“ und für brasilianische Verhältnisse beinahe revolutionär. Er setzt sich beispielsweise für die Gleichberechtigung der Indios ein und für lockerere Gesetze bezüglich Marihuanakonsums (in Brasilien wird dieser mit Gefängnis geahndet).
Eigentlich sollte ich während meines Praktikums in einem Zimmer in der EFA wohnen, da die Schule jedoch etwas außerhalb liegt und sie ziemlich vereinsamt ist, wenn die Schüler in ihrer Praktikumsphase zu Hause sind, befand es Jorge für besser, dass ich in seinem Haus wohne.
Ich habe ein Einzelzimmer mit Bad und bin sehr stark in der Familie eingegliedert. Für Jorge und seine Frau Francilda bin ich ihre „deutsche Tochter“.
Bezahlen muss ich für Unterkunft und Essen nichts, dafür helfe ich etwas im Haushalt mit und gebe Englischunterricht an der EFA..
Es hat sich natürlich sehr schnell herumgesprochen, dass „die Deutsche“ Englisch sprechen kann, so dass mich die Direktorin einer anderen Schule bat doch auch bei ihrer Schule zu unterrichten.
Letztendlich gebe ich also Englischunterricht an der EFA (meistens morgens), nachmittags eine Stunde an der „Escola Popular“ und abends ebenfalls eine Stunde für zwei sich abwechselnde Schülergruppen anderer Schulen.
Bis auf Freitag unterrichte ich täglich. Einen freien Tag in der Woche brauche ich jedoch, da vor allem die jüngeren Schüler sehr anstrengend sind und zum Grossteil keinerlei Motivation haben Englisch zu lernen.
Samstag morgens gebe ich einen Kurs für Englischlehrer (die jedoch nicht wirklich Englisch können). Ich übe mit ihnen meistens die Aussprache und Konversation. Für diesen Kurs muss jeder Teilnehmer einmalig 30 R$ (ca. 10 €) zahlen. Obwohl sehr viele an diesem Kurs interessiert sind, beschränkt sich die Teilnehmerzahl, aus finanziellen Gründen, auf fünf Personen. Richtig Geld verdienen kann man als Praktikant hier also nicht :-). Ich bin auf jeden Fall auf mein eigenes Geld (bzw. auf das meiner Eltern :-)) hier angewiesen. Viel benötige ich jedoch ohnehin nicht, da ich ja für Unterkunft und Verpflegung nichts bezahlen muss. Zusätzliches Geld brauche ich nur für Toilettenartikel, Kleidung und für diverse Reisen in „nächstgelegene“ Städte wie São Luis (sechs Stunden von Poção entfernt).
Deutsche Kreditkarten werden nur in etwas größere Städte wie Pedreiras (eine Stunde entfernt) akzeptiert, in Poção kann man also kein Geld abheben.
Auch wenn ich beinahe täglich unterrichte, habe ich dennoch viel Freizeit und auch Freiheit. Jorge bestimmt in keiner Weise, was ich außerhalb meines Unterrichts zu tun habe oder wann ich „zu Hause“ zu sein habe. Auch wenn er mir einmal gebeichtet hat, dass er sich doch etwas Sorgen macht, wenn ich abends länger wegbleibe… Sorgen um meine Sicherheit muss er sich jedoch bestimmt nicht machen. Poção ist wirklich so klein, dass jeder jeden kennt und Kriminalität ist hier praktisch nicht vorhanden. Das Maximum an Verbrechen hier ist, dass mal ein Roller gestohlen wird.
Zu Anfang mag es etwas schwierig sein Kontakte zu knüpfen, die über ein „Oi, tudo bem?!“ hinausgehen. Dies liegt natürlich zum einen am Portugiesischen , das zumindest ich anfangs kaum beherrschte, zum anderen würde ich sagen , dass Brasilianer schnell für oberflächliche Freundschaften zu haben sind; es ist jedoch schwieriger „richtige Freunde“ zu finden. Mit der Zeit erledigt sich aber natürlich auch dieses Problem. Mittlerweile habe ich richtig gute Freunde, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind, dass es mir sehr schwer fallen wird Poção zu verlassen.
Ich habe eigentlich durchweg nur gute Erfahrungen bisher gesammelt und hoffe, das dies auch so bleibt.
Eine Sache die mich etwas stört, die aber ganz normal für kleinere Städte ist, ist das Getratsche der Leute. Es ist unglaublich wie schnell absurde Gerüchte im Umlauf kommen und wie wenig Anonymität man hier hat. Sobald man das Haus verlässt ist alles öffentlich und jedermann weiß spätestens am nächsten Tag wo und wann man sich mit wem getroffen hat. Dies mag anfangs etwas befremdlich wirken, vor allem wenn man wie ich die anonyme Atmosphäre einer Grosstadt gewöhnt ist.
Alles in allem ist aber auch dies eine Erfahrung und man lernt damit umzugehen.
Insgesamt glaube ich, dass jeder Praktikant der hier herkommt eine gute Zeit verbringen wird. Die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen lässt schnell Heimweh und all die kleinen Dinge, die alle besser in Deutschland waren, vergessen. Bisher habe ich es in keiner Weise bereut nach Brasilien gekommen zu sein.

Adele

Poção de Pedras – MA, den 25. November 2003

Landwirtschaftsschule Escola Familia Agricola (EFA), Pocao de Pedras, Brasilien

Kontakt:
Der Kontakt zu EFA war im Jahr 2003 sehr gut. Wir standen im regen Email-Austausch mit Jorge und Silveira. Der neue Agrartechniker Silveira, der seit Februar 2003 an der EFA arbeitet und von uns einen Gehaltszuschuss erhält, schickt uns regelmäßig alle drei Monate einen Bericht über seine Arbeit.

Adele:
Seit August 2003 ist durch unsere Vermittlung eine junge Abiturientin, Adele, als Freiwillige in Poção de Pedras tätig. Sie wohnt bei Jorge im Haus, wurde sehr herzlich dort aufgenommen und fühlt sich sehr wohl. Sie unterrichtete Englisch an der EFA und drei anderen Schulen in Poção, außerdem unterrichtet sie auch einige interessierte Englischlehrer. Ihr Bericht der ersten drei Monate ist diesem Rundbrief beigefügt. Sie hat auch schon mehrmals für uns Erkundigungen eingeholt und uns diese in Briefen und Telefonaten erzählt.

Schülerzahl:
Die EFA hat zur Zeit 40 Schüler. Dies sind etwa 20 weniger als im Juni 2002 als Andreas und ich die EFA besucht haben. Jorge nennt folgende Gründe für die zurückgegangene Schülerzahl: einige haben die 8. Klasse beendet, einige gehen auf eine neue Schule für die 5. Und 6. Klasse, die in ihrem Dorf eingerichtet wurde. Die Mitglieder der EFA machen Werbung, um die Schülerzahl wieder zu vergrößern. Wir hoffen, dass die neuen Projekte von Silveira wieder neue Schüler anlocken werden. Jorge sagt, dass viele Schüler lieber in andere Schulen gehen, wo sie nur geistig und nicht wie in der EFA auch körperlich im Garten, auf dem Feld und im Stall arbeiten müssen. Viele Eltern erhoffen sich auch eine andere Laufbahn für ihre Kinder als die Landwirtschaft und schicken sie deshalb auf andere Schulen. Jorge möchte auch, dass nur die wirklich landwirtschaftlich interessierten Schüler zur EFA kommen.

Landwirtschaftsprojekt an der EFA:
Silveira hat mit Geldern von Action Five einige Investitionen an der EFA getätigt:
Es wurde Saatgut, landwirtschaftliche Geräte (auch für die Bewässerung), Dünger, Baumaterialien (Holz, Lehm) und Medikamente für die Tiere gekauft. Es werden nun bedeutend mehr verschiedene Obst- und Gemüsesorten in der EFA angebaut als vorher. Auch werden besondere Sorten ausgewählt, die besonders gut an die lokalen Begebenheiten angepasst sind, z.B. eine Tomatensorte, die auch während der Regenzeit angebaut werden kann. Der Ertrag wurde in den ersten Monaten gesteigert (für einige Sorten verdreifacht). Diese Steigerung konnte zwar nicht beibehalten werden, jedoch wurde dafür die Produktion in den Dörfern gesteigert. Der Ernteertrag wurde für die Ernährung der Schüler in der EFA verwendet. Die produzierten Eier wurden zum Teil zurückbehalten, um Küken auszubrüten.
Schüler und Lehrer praktizierten gemeinsam das Pfropfen bzw. Verpflanzen bestimmter Obstarten (Mango, Orange, bzw. Maracuja, Papaya,…). Einige so gewonnene Obstbaum-Setzlinge wurden an die Familien der Schüler weitergegeben und dort eingepflanzt. Natürliche Insektizide auf Pflanzenbasis wurden hergestellt, und dieses Verfahren haben manche Schüler bereits zu Hause mit ihren Eltern angewandt. Die Motivation der Schüler steigt ständig. Einige Schüler, die anfangs kaum arbeiten wollten, sind jetzt mit deutlich mehr Interesse dabei.
Im Rahmen eines Kreditprogramms einer brasilianischen Bank sollen 300 „Caipira“ Hühner gekauft werden. Für die Hühner wird gerade eine große Weide vorbereitet. Für dieses Projekt sind zwei Schüler der EFA verantwortlich. Ein ähnliches Projekt mit etwas weniger Hühnern wollen einige Eltern auch bei sich zu Hause machen.

Arbeit mit den Familien der Schüler:
Neben dem Landwirtschaftsunterricht in der EFA selbst ist Silveira der Kontakt zu den Familien der Schüler sehr wichtig. In den Familien wird versucht, ihre landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen, und zwar in jedem Sektor (Obst, Gemüse, Rinder, Geflügel) und damit ihre Ernährung und ihre Einkünfte zu verbessern. Fünf dieser Familien betreut er besonders intensiv, d.h. er hat sie z.B. innerhalb von drei Monaten fünf mal besucht, teilweise mehrere Tage. Bei den Besuchen werden Versammlungen mit allen Familien abgehalten und die Familien zu Hause besucht. Diese Familien leben im Dorf Sierra de Aristoteles. Dieses Dorf ist von Poção de Pedras aus noch mit vertretbarem Aufwand zu erreichen. Dort arbeitet auch Matias mit einigen anderen Familien. Matias ist ein anderer Agrartechniker, den Andreas und ich (und inzwischen auch Adele) persönlich kennen. Mit ihm hat Silveira viel Kontakt, was für ihn auch ein Grund war, die Familien in Sierra de Aristoteles auszuwählen. Matias hat bereits viel Erfahrung mit dieser Art der Betreuung von Familien. Die Bemühungen von Silveira hatten schon großen Erfolg: Die Produktion wurde erhöht, manche verkaufen bereits Gemüse. Jede der betreuten Familien hat nun einen adäquaten Gemüsegarten. Eine Familie hat einen Fischteich angelegt. Alle Familien halten Vieh. Drei Familien haben mit einem Kredit der Bank ein Kalb gekauft. Saatgut und Geräte haben sie zum Teil von der EFA erhalten.
Silveira berichtet, dass die Motivation der Schüler und ihrer Familien von Mal zu Mal steigt. Schwierigkeiten machen der Mangel an Land und Bildung. In den abgelegeneren Dörfern, die Silveira nicht so oft besuchen kann, kommen erschwerend das Fehlen von Straßen und Elektrizität hinzu.
In der Assembleia erzählten die besonders betreuten Eltern den anderen Eltern von diesen Projekten. (Die Assembleia ist die Versammlung des Trägervereins der EFA. Ihr gehören die älteren Schüler, die Eltern der Schüler und die Lehrer an, und sie ist das die Entscheidungen treffende Organ der EFA.) Die anderen äußerten ebenfalls Interesse an dieser Art der intensiven Betreuung. Alle Familien der Schüler so intensiv zu betreuen, würde Silveiras Möglichkeiten sprengen. Er sagte jedoch, wenn es in den jetzt betreuten Familien so gut weiterlaufen werde wie bisher, könnte er in ein oder zwei Jahren zu anderen Familien wechseln.

Praktikum der EFA-Schüler:
Terezinha sagte in der Assembleia, das Praktikum für die Schüler der 7. Und 8. Klasse der EFA soll diesmal nicht so weit entfernt stattfinden, da der Transport sonst zu teuer wird. Raimundo Silveira schlug vor, das Praktikum bei den Familien, die er im Dort Sierra de Aristoteles begleitet, durchzuführen. Nachdem die Eltern dieser Familien erzählt haben, was sie tun und das sie schon Erfolge haben, wurde dieser Vorschlag angenommen. Inzwischen wurde das Praktikum erfolgreich durchgeführt.

Bezahlung der Lehrergehälter:
Das seit langem auch an anderen Schulen in Poção de Pedras bestehende Problem, dass der Bürgermeister die Gehälter der Lehrer nur sehr unregelmäßig bezahlt, hat sich in diesem Jahr zugespitzt. Grund ist der Wechsel des Bürgermeisters. Der bisherige Bürgermeister, der 2002 immerhin 7 von 12 Monatsgehältern gezahlt hat, ist im Juli 2003 zurückgetreten. Der bisherige Vize-Bürgermeister übernahm nun das Amt des Bürgermeisters, verkündete offen sich an Vereinbarungen des bisherigen Bürgermeisters nicht gebunden zu fühlen, und zahlte den EFA-Lehrern bisher noch gar nichts. In 2003 haben die EFA-Lehrer nur Gehalt für März und April erhalten. Bisher haben die Lehrer trotzdem weitergearbeitet, und immer wieder beim Bürgermeister auf Auszahlung ihrer Gehälter gedrungen, weshalb der frühere immerhin einige Monatsgehälter ausgezahlt hat.
Der Bürgermeister erhält für jeden Schüler, auch für die der EFA, vom FUNDEF (Nationaler Fonds für die Erziehung) Geld für dessen Ausbildung. Dies sind monatlich etwa 2000 R$, die er eigentlich für die EFA verwenden sollte. Leider hat die EFA als Privatschule einen Sonderstatus: Es gibt ein etwas unklares Gesetz, das besagt, dass der Bürgermeister den besonderen Typ Schule wie die EFA finanziell unterstützen kann, aber nicht muss. Dieses Gesetz müsste lokal geändert werden, um den Bürgermeister zur Auszahlung der Lehrergehälter an der EFA zu verpflichten. Diesbezüglich läuft gerade ein Gerichtsverfahren, dessen Ausgang aber noch offen ist. Ein ähnliches Problem besteht offensichtlich auch an anderen Landwirtschaftsschulen in Brasilien, denn die Bundesregierung von Brasilien plant eine Gesetzesänderung Ende 2004, so dass in Zukunft die Bürgermeister immer verpflichtet sind, die Gelder des FUNDEF an die EFAs weiterzuleiten.
In der Assembleia wurde mehrmals über dieses Problem gesprochen. Die Lehrer haben vorgeschlagen, etwas vom Besitz der EFA zu verkaufen, z.B. ein Rind. Dies wurde von den Schülereltern zunächst abgelehnt. Die Lehrer sagten, wenn sie weiterhin kein Gehalt bekämen, sähen sie sich nicht mehr in der Lage, weiter zu arbeiten. Denn sie müssen ja von etwas leben und sie seien „keine Heiligen“. So wurde vereinbart, zwei Rinder zu verkaufen, falls sich bis Dezember die Lage nicht verändert. Dies würde allerdings für jeden Lehrer nur etwa 120 R$ einbringen (ein Monatsgehalt beträgt 200R$, so dass das auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Die Lehrer haben verständlicherweise gesagt, dass sie auf Dauer aber nicht ohne Gehalt weiterarbeiten können. Es besteht also die Gefahr, dass die ganze Schule zusammenbricht.
An anderen Schulen besteht das Problem auch, obwohl diese einen rechtlich eindeutigeren Status haben. Jedoch nicht so dramatisch, da die Lehrer dort nur 2 bis 5 Monatsgehälter nicht bekommen haben. Zu dem besonderen Status der EFA kommt hinzu, dass der Bürgermeister laut Jorge die Leute der EFA nicht mag. Auch viele Angestellte der Stadt haben nicht alle Gehälter bekommen. Insgesamt ist die Situation so dramatisch, dass die Händler in Poção sich schon über den gesunkenen Umsatz beklagen, da weniger eingekauft wird.
Wir haben von dieser Verschlechterung der Lage erst im November / Dezember erfahren. Bisher sind wir aufgrund unseres Besuches im Juni 2002 in Poção davon ausgegangen, dass die Gehälter zwar unregelmäßig, aber doch fast immer irgendwann gezahlt werden. Jorge hat uns zwar schon vorher von diesen Problemen berichtet, aber es klang immer so, als hätten ihre wiederholten Gespräche mit dem Bürgermeister Erfolg. Auch Adele hatte vorher nichts von dieser Verschlimmerung der Situation mitbekommen. Wir sind über die Situation sehr beunruhigt, und haben gefragt, was die EFA und was wir tun können. Die Lehrer der EFA haben sich mit den Lehrern der anderen Schulen zusammengetan, es wurden Versammlungen, Demonstrationen und Unterschriftensammlungen veranstaltet, die Abgeordneten des Bundesstaates Maranhão wurden informiert und ein Zeitungsartikel in den Zeitungen von Maranhão veröffentlicht. Außerdem wurden rechtliche Schritte eingeleitet. Jorge ist aber nicht sehr optimistisch, dass die rechtlichen Schritte für die EFA etwas bringen, denn in Brasilien würden die Armen niemals gegen die Reichen einen Gerichtsprozess gewinnen. Die Personen in der Gemeinde, die eigentlich den Bürgermeister kontrollieren sollten, sind mit ihm befreundet. Und selbst wenn die anderen Lehrer wieder Gehalt bekommen, glaubt er aufgrund der schlechten Beziehung zum Bürgermeister und der Sonderrolle als nicht staatliche Schule nicht, dass die Lehrer der EFA es auch bekommen.
Die große Hoffnung aller ist die nächste Bürgermeisterwahl im Oktober 2004. Der jetzige Bürgermeister hat sich so unbeliebt gemacht, dass seine Wiederwahl sehr unwahrscheinlich ist. Mit einem neuen Bürgermeister würde hoffentlich alles besser werden.
Wir haben Jorge gefragt, was Action Five tun könnte, um zu helfen. Dabei haben wir gleich klar gemacht, dass Action Five nicht auf Dauer die Verpflichtung des Bürgermeisters übernehmen kann, die Lehrergehälter zu zahlen. Nach unserer Einschätzung bestünde dann die Gefahr, dass der Bürgermeister sich nicht mehr verantwortlich fühlt, und keinen Druck mehr verspürt die Gehälter zu zahlen. (Evtl. würden auch die EFA-Mitarbeiter weniger Druck ausüben.) Es muss auf jeden Fall erreicht werden, dass die EFA die ihr zustehenden Gelder von der Gemeinde erhält. (Jorge sagte hierzu, er verstehe unsere Prinzipien und Bedenken, aber es sei schwer mitanzusehen, wenn die Kollegen Hunger haben.) Jorge schlug uns eine finanzielle Hilfe von 1500 R$ pro Lehrer als teilweisen Ersatz für die bisher ausgefallenen Gehälter, sowie die Zahlung von reduzierten Gehältern (240 R$ monatlich) für das Jahr 2004 vor. Nachträglich Gehälter zu zahlen, um den Lehrern zu helfen, erschien uns nicht im Sinne von Action Five, da Einzelpersonen laut Satzung nicht gefördert werden. Wir schlagen das Zahlen der Gehälter von Januar bis zur Wahl des Bürgermeisters im Oktober vor, um eine Schließung der EFA und damit verbunden eine Störung oder gar Zusammenbruch des sonst so erfolgreichen Landwirtschaftsprojektes zu verhindern. Dies bedeutet auch eine Motivation und Anerkennung für die Lehrer, die so viele Monate ohne Gehalt gearbeitet haben.
Die Schüler und ihre Eltern haben sehr besorgt auf die mögliche Schließung der EFA reagiert. Die Schüler gehen aufgrund der familiären Atmosphäre sehr gern in die EFA. Die Schüler aus den Dörfern müssten, wenn sie auf eine andere Schule in Poção gehen würden, die alle keine Internate wie die EFA sind, bei Verwandten wohnen oder sogar bei Fremden, wobei sie dann als Gegenleistung Hausarbeit machen müssten. Auch werden die Dörfler von den Schülern aus Poção oft herablassend behandelt. Aus diesen Gründen liegt ihnen sehr viel daran, dass die EFA weiter bestehen bleibt.
Auch Silveira und Matias befürworten, dass Action Five die Lehrergehälter für einige Zeit bezahlt.

 

Projektanträge:
Der Arbeitskreis beantragt die Fortsetzung des Gehaltszuschusses für den Agrartechniker an der Landwirtschaftsschule EFA (480 R$ + 8% Sozialversicherung = 518.4 R$ , ca. 140 Euro monatlich) für die Zeit vom 1.1.2004 bis 31.3.2005 mit insgesamt 7776 R$ (ca. 2131 Euro)

für den Arbeitskreis: Anneke

Der Arbeitskreis beantragt die einmalige Zahlung der Lehrergehälter für die Lehrer der Landwirtschaftsschule EFA (je 360 R$, ca. 100 Euro monatlich, für 4 Lehrer) sowie für die Köchin und den Hausmeister (je 240 R$) für die Zeit vom 1.1.2004 bis zum 31.10.2004 mit insgesamt 19200 R$ (ca. 5260 Euro)

für den Arbeitskreis: Anneke
Dipshikha/ASSB/Shanti, Bangladesh

Einen breiten und detaillierten Einblick in die Arbeit des deutschen Vereins „Shanti“, bei dem ich aktiv mitarbeite (insbesondere bei dem „Integrated Community Development Project (ICDP)“), gibt deren Jahresbericht wieder, der diesem Rundbrief beiliegt. Ich möchte mich hier auf das ICDP konzentrieren, welches ich im Februar dieses Jahres besuchte. Das Projekt läuft seit 1999 und umfasst 6 Bereiche: Kleinkredite und Sparprogramm, Kurse für moderne landwirtschaftliche Technologien und Demonstrationsfelder, Vorschulen, Gesundheit, Frauenarbeit und Weiterbildung der Mitarbeiter Dipshikhas. Im letzten Rundbrief berichtete ich ausführlicher über dieses Projekt.
Im Herbst legte Dipshikha eine Wirkungsanalyse („impact study“) zum Abschluss der zweiten Phase des Projektes vor. Hierbei wurde eine Erhebung unter 101 der ca. 2000 in dem Projekt involvierten Frauen und Männer gemacht, und diese nach den Veränderungen in den letzten fünf Jahren befragt. Die Wirkanalyse selbst ist eine große Leistung Dipshikhas. Sie ist in der Lage, einen guten Einblick in den Effekt des Projektes zu geben.
So ist die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden Familien von ca. 78% auf ca. 59% gesunken, ein Rückgang um ein Drittel. Dies entspricht auch dem Anstieg des Pro-Kopf Einkommens um ebenfalls etwa ein Drittel. (Allerdings wurde hier keine Inflation berücksichtigt.)
Die Gemüseproduktion stieg um ca. 40%, der Gemüsekonsum dagegen nur um ca. 20%. Das Einkommen durch Feldfrüchte stieg nicht wesentlich gegenüber der Inflationsrate, dafür ist das Einkommen durch Hühnerhaltung verhältnismäßig stark (ca. 45%) gestiegen. Gemüseproduktion und Hühnerhaltung sind typische Einkommensquellen gerade für die ärmeren Familien, die keinen Zugang zu Land haben, auf dem sie Feldfrüchte anbauen können.
Die wöchentlichen Gruppentreffen wurden immerhin zu 65% regelmäßig besucht.
Die Vergabe von Kleinkrediten ist kontinuierlich zurückgegangen. Knapp 3/4 der Kreditnehmer zahlen unregelmäßig zurück. Gut 1/4 der Kreditnehmer verwandten den Kredit nicht für Einkommen schaffende Investitionen, sondern für die Ernährung der Familie, Mitgiftzahlung, und Hausreparaturen.
Die Rolle der Frau in der Familie wurde gestärkt. So waren es nur 20% der Frauen, die vor fünf Jahren das Haus verließen, um weiter entfernt wohnende Verwandte zu besuchen. Jetzt sind es 50%, und auch die Zahl der Reisen nahm zu. In dem männlich dominierten Bangladesh, in dem Männer ihren Frauen oft nicht erlauben, das Haus zu verlassen, ist dies ein Indikator für die Aufwertung der Frau.
Bei der Kreditverwendung entschieden laut Befragung in ein Viertel der Fälle die Frauen selbst über die Art der Verwendung, bei 2/3 entschieden Mann und Frau, und nur in 1/10 der Mann alleine.
Ein großer Effekt zeigte sich in dem Wissen um Frauenrechte: vor dem Dipshikha-Projekt kannten etwa 1/8 die Rechte der Frauen, jetzt sind es 3/4. Die Kenntnis um die Grundregeln der Hygiene stieg ebenfalls stark an. Zuvor wusste 1/3 Bescheid, jetzt sind es 4/5. Naturgemäß ist die Wissensvermittlung der einfachere Schritt, schwieriger ist die Akzeptanz und Umsetzung. So ist die Verwendung von sauberen Wasser aus Pumpbrunnen zum Trinken allgemein akzeptiert, zum Waschen verwendet eine Minderheit (ca. 15%) noch Wasser aus einem Teich. Ein Grund hierfür kann die beschränkte Verfügbarkeit von Pumpbrunnen sein.
Nur etwa ein Drittel benutzt Latrinen, die Mehrheit verfügt sich ins Gebüsch oder auf das Feld.
Bei etwa 80% der Befragten gehen die Kinder im Alter zwischen 4 und 9 Jahren zur Schule. Hauptgründe für die 20% der Fälle, da die Kinder nicht in die Schule gehen, sind Armut und große Distanz zur nächsten Schule.
Der Wohlstand ist gestiegen. So haben jetzt 81% ein Bett, 26% ein Radio, 32% eine Uhr, 56% mehr als 5 Kleidungsstücke. Zuvor waren es jeweils 53%, 7%, 14%, 3%.
Die Wirkanalyse umfasst weitere Zahlen, ich will es mit diesen einmal bewenden lassen.
Der neue Projektantrag, nachdem die Arbeit weitere drei Jahre fortgesetzt werden soll, setzt neben der Fortführung ausgewählter alter Komponenten neue Schwerpunkte.
Da das Kreditprogramm in seiner alten, Gruppenbezogenen Form Defizite aufweist, wird nun versucht, mit den Familien zusammenzuarbeiten. D.h. eine Familie stellt (mit Hilfe Dipshikhas) einen Drei-Jahres Plan ihrer Aktivitäten auf, unter Analyse ihrer Ressourcen. Eine Aktivität kann eine Investition mit einem Kredit von Dipshikha sein. 20% der Kreditsumme wird von der Familie zuvor angespart. Die Anschaffung wird gemeinsam mit einem Dipshikha – Mitarbeiter erworben. Durch diesen Ansatz wird eine nicht bestimmungsgemäße Verwendung des Kredites weitgehend ausgeschlossen. Auch wird die Art der Investition durch die enge Begleitung besser der Situation der Familie angepasst sein. Diesen Familien-Ansatz will Dipshikha vor allem mit den ärmeren Familien umsetzen. Die nicht ganz so Armen unter den Armen sollen weiter mit dem konventionellen Kreditprogramm versorgt werden.
Es werden Frauen aus den Dörfern ausgebildet, die ihre Dorfnachbarinnen in Frauenrechten beraten sollen. Diese Beratung soll auch noch nach Projektende zur Verfügung stehen.
Für die Verbreitung landwirtschaftlicher Technologien werden „Farmer Field Schools“ gegründet. Hier treffen sich die Bauern auf Demonstrationsfeldern, um Fragen der Landwirtschaft zu diskutieren und neue Technologien von den Dipshikha-Mitarbeitern zu erfahren. Diese Gruppen sollen nach Projektende weiter bestehen bleiben, um den Bauern einen effizienteren Einkauf von Saatgut zu ermöglichen.
Das Projekt umfasst insgesamt 180.000 Euro. 75% werden bei MISEREOR beantragt, 15% kommt von Shanti, 10% von Dipshikha selbst.

Förderantrag:
Aufgrund der hervorragenden Arbeit von Dipshikha, ASSB, und Shanti und dem sehr engen Kontakt beantragt der Arbeitskreis die Unterstützung von Shanti e.V. zur Förderung von Dipshikha und ASSB in Bangladesh mit 11,000 Euro für den Zeitraum vom 1.1.04 bis zum 31.12.04.

für den Arbeitskreis: Andreas

Cooperadora Charles de Foucauld, Reconquista, Argentinien:

In Reconquista haben unsere Projektpartner, die Cooperadora de Foucauld und die Kommissionen der Bewohner aus Barrio Guadalupe, ihre Arbeit der vergangenen Jahre fortgesetzt. Der Bau von Wohnhäusern für die sozial schwächsten und ärmsten Familien in Eigenarbeit im Programm OrViPo geht nur langsam voran. Für die Zusammenarbeit der Teilnehmer bedarf es noch stärkerer Unterstützung, daher wurde eine Sozialarbeitsstudentin gebeten, diese Aufgabe gegen ein kleines Stipendium zu übernehmen. Diese Studentin koordiniert auch die Aktivitäten der verschiedenen Kommissionen im Barrio. Anfang 2004 wurde eine neue Hausbau-Kommission gewählt, die die nächsten Baumaßnahmen organisieren wird. In der Nähwerkstatt wurden in 9 Gruppen weiter Nähkurse für 54 Frauen gegeben, die Ende 2003 ihre Arbeiten in einer Ausstellung vorgestellt haben. Außerdem wurde für die Zeit von Mai bis Dezember wieder an 65  bedürftige Familien mit Kleinkindern Milch ausgegeben. Im heißen Sommer ruht dieses Programm.
Für Schüler vom Land und aus den marginalisierten Stadtteilen hat die Cooperadora auch 2003 eine Reihe von Stipendien vergeben. Erstmals konnte im November ein gemeinsames Treffen mit den Stipendiaten und deren Eltern realisiert werden, bei dem zwei Tage lang Themen diskutiert wurden wie die wirtschaftliche Situation und Wettbewerbsfähigkeit Argentiniens im Verhältnis zu den USA, die Situation von Kleinunternehmen, Macht des Menschen im Verhältnis zur Politik und innere Macht. Die Eltern konnten mit der Arbeit und den Prinzipien der Cooperadora vertraut
gemacht werden. Mit etwa 80 Teilnehmern war das Treffen ein großer Erfolg. Generell ist die wirtschaftliche Situation in den Armenvierteln noch sehr schwierig, weil es noch viel zu wenig Arbeitsplätze gibt, aber die Menschen haben seit der Wahl des neuen Präsidenten Kirchner im April neue Hoffnung geschöpft, der Arbeitsbeschaffungsprogramme verspricht.

Anke