Patenschaften

Ergebnis einer Diskussionsrunde auf der Hütte im Januar 2012 – Johannes Falck

Einleitung

Im Thema Patenschaften sprachen wir über die Vor- und Nachteile der Förderung von Schülern in Form von Patenschaften und unterschieden dabei zwischen zwei verschiedenen Arten von Patenschaften.

Auslöser für den Gesprächsbedarf zum Thema Patenschaften war ein ambitionierter Projektantrag aus Tansania für Schülerstipendien, der aufgrund hoher Kosten für wenige zu fördernde Personen unsererseits nicht förderungsfähig schien. Wir dachten alternativ über die Vermittlung von Paten nach, was wir jedoch schnell ablehnten, da wir keine Erfahrung damit haben und auch die Effizienz in Frage gestellt wurde.

Relevanz für Action Five

Neben erwähntem Antrag finden sich in dem bestehenden Tansania-Projekt Komponenten, die  Patenschaften gleichkommen. Dies sind die Bezahlung von Schulgebühren, -materialien und -uniform für einige Schüler. Die Unterstützung erreicht sehr viele Schüler, erfordert relativ wenig Geld und scheint uns insgesamt sinnvoll und nachhaltig.

Bedeutung der Patenschaften in der EZ

Patenschaften spalten die Lager der großen NGOs, Misereor beispielsweise kritisiert das Konzept von Patenschaften, andere NGOs wie Plan International Deutschland oder World Vision haben Patenschaften zur zentralen Aufgabe ihrer Arbeit gemacht. Seit etwa 10 Jahren zeigt sich eine kontinuierlich steigende Spendeneinnahme bei Patenschaftsprogrammen, andere Akteure, die Patenschaften ablehnen, gehören dagegen zu den Verlierern. Ein möglicher Grund ist, dass die Hilfe an eine konkrete Person mit Gesicht greifbarer und wirkungsvoller scheint und somit die Spendenbereitschaft steigt.

Zwei Arten von Patenschaften

Unter einer Patenschaft versteht man allgemein die Förderung einer Person durch einen Paten, damit diese Person zum Beispiel ausreichend Ernährung, gesundheitliche Versorgung oder Bildung erhält, was je nach Alter der betreffenden Person und Fokus der NGO variiert. Wir konzentrieren uns hierbei auf die Förderung von Schülern in Form von Schülerstipendien. Dies ist die klassische  Art von Patenschaften (Tabelle 1).

Zentrale Idee und positiv ist die aufgebaute Beziehung zwischen Pate und Patenkind. Solche Verbindungen können für beide Seiten fruchtbar sein und sind wichtig für ein gegenseitiges interkulturelles Bewusstsein. Ein einzelnes Kind kann je nach Betrag stark von der Förderung profitieren und eine starke Verbesserung seiner Situation erleben.

Kritisch und sicherlich fraglich ist die fehlende Gerechtigkeit, weil andere Kinder nicht gefördert werden. Dies könnte zu Unmut und sozialen Spannungen führen. Nach welchen Kriterien werden die Kinder von den NGOs ausgewählt? Sind es bedürftige Kinder, besonders intelligente Kinder oder haben die Eltern einfach die richtigen Kontakte bzw. das Wissen, wie sie die Förderung erhalten können? Dies führt bei Nichterwähnen zu Intransparenz, sowohl für Pate als auch Patenkinder bzw. deren Eltern.

Die stark persönliche Ebene erfordert regelmäßige Kommunikation zwischen NGO, Pate und Patenkind und damit hohe Verwaltungskosten, die bis zu einem Drittel bei deutschen NGOs betragen können (Stiftung Warentest, 11/2004).

Tabelle 1: Das klassische Patenkind-Modell
Pro Contra
Beziehung zwischen Pate und Patenkind Gerechtigkeit?
Für eine Person kann viel erreicht werden Wie vor denen rechtfertigen, die nichts bekommen?
Teils Intransparenz für Paten: Auswahlkriterien der Patenkinder?
Intransparenz für potentielle Patenkinder: Gleiche Chancen und zugängliches Wissen, um eines Paten zu bekommen?
Erhöhter Verwaltungsaufwand

Eine weitere Art ist das Patenkind-Repräsentanten-Modell. Hier steht die Person nur stellvertretend für die Schule oder Gemeinde und das geförderte Geld kommt somit nicht der einen Person zugute, sondern einer größeren Gruppe von Menschen (Tabelle 2). Somit sollen die Vorteile der persönlichen Beziehung gewahrt werden, während gleichzeitig die oft kritisierten Nachteile von Patenschaften wie mangelnde Gerechtigkeit auf ein Minimum reduziert werden. Damit wird auch ein neuer Nachteil erkauft, nämlich die Diffusion der Förderung. Dieses Probleme soll im Folgenden besprochen werden.

Tabelle 2: Das Patenkind-Repräsentanten-Modell
Pro Contra
Beziehung zwischen Pate und Patenkind Evtl. keine Wirkung der Hilfe, wenn auf zu viele Personen verteilt
Von Förderung profitieren viele Menschen Teils irreführende Darstellung der Patenschaft, Annahme des Paten, Geld käme nur seinem Patenkind zu Gute

Breit gestreute vs. selektive Förderung

Möchte ich viele Personen fördern, ist die Förderung pro Person geringer, als wenn ich nur eine Person fördere. Dies wirkt sich bei einem Schülerstipendium zum Beispiel darauf aus, welche Qualität von Schulbildung gefördert werden kann oder dass nur Teilstipendien vergeben werden können. Wir besprachen die Vor- und Nachteile beider Konzepte anhand der oben beschriebenen Arten von Patenschaften und kamen zu dem Entschluss, dass beide Formen der Förderung ihre Berechtigung haben.

Eine einzelne Person zu fördern kann für die ganze Gemeinschaft positiv sein, wenn diese Person ihr gewonnenes Wissen und Qualifikation für das Gemeinwohl einsetzt. Solche Schlüsselpersönlichkeiten können eine herausragende Rolle für die ganze Region spielen. Sehr schwierig ist das Identifizieren solcher Personen und damit das Risiko, dass der erwartete Effekt nicht eintritt, die Person beispielsweise ins Ausland geht und die arme Heimat zurücklässt (brain-drain). Eine breit gestreute Förderung hingegen birgt ein stärker verteiltes Risiko. Ein größeres Problem ist aber, dass die geringe Förderung pro Person eventuell nicht ausreicht, um eine spürbare Verbesserung der Situation zu erzielen und der Effekt verpufft.

Fazit für Action Five

Sowohl die breit gestreute Förderung von Schülern, wie es bei dem Tansania-Projekt beispielsweise der Fall ist, als auch die gezielte Förderung von einzelnen Personen, haben seine Berechtigung. Denkbar ist auch eine Kombination der Maßnahmen.

Bisher gibt es von Action Five keine Förderung einzelner Personen, was nun als denkbar erscheint. Es ließe sich bei relevanten Projektpartnern wie beispielsweise in Tansania in einem Dialog ermitteln, wie dieser der Idee gegenübersteht.