Landwirtschaft & Entwicklung

Ergebnis einer Diskussionsrunde auf der Hütte am 12.05.2012 – Johannes Falck

Kurzfassung

Der Fokus unserer Förderung hat sich in den letzten Jahren in Richtung Bildungsprojekte verschoben, obwohl BIldung früher bei Action Five Freiburg als nicht besonders nachhaltig galt, da sie aufgrund komplexer und meist erst später wirkender Veränderungen schwierig zu evaluieren ist. Wir nehmen an, dass der Grund dafür die steigende Nachfrage an Bildungsprojekten ist. Während Grundschulförderung für uns ein Grundrecht darstellt, bewerten wir die Förderung von Sekundarbildung als bedingt sinnvoll, da oft weiterführende Einrichtungen fehlen, um das erworbene Wissen anzuwenden.

Die Landwirtschaft möchten wir in Zukunft wieder stärker fördern, wenn die Nachfrage besteht. Wichtig ist uns dabei die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen, welche neben Exportorientierung für nationale und internationale Märkte auch Subsistenzwirtschaft betreiben. Vorteilhaft ist dabei der Zusammenschluss zu Kooperativen, um die Gefahren durch Schwankungen des Wetters und Weltmarktes zu abzuschwächen.

Als Implikationen für unsere Arbeit sehen wir drei zentrale Arbeitsbereiche zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft: (1) Die Ausbildung von Kompetenzen in den Bereichen landwirtschaftliche Anbaumethoden, Handel und Buchführung (=finanzielle Nachhaltigkeit) (2) Anschubfinanzierungen durch Mikrokredite und (3) die Sensibilisierung für eine nachhaltige Landwirtschaft auf sozialer und ökologischer Ebene.

Einleitung

Wir haben festgestellt, dass sich der Fokus unserer Projekte in den letzten Jahren verstärkt auf den Bildungsbereich verschoben hat. Früher wurden Bildungsprojekte von Action Five Freiburg nicht als sehr nachhaltig und daher weniger förderungswürdig angesehen. Daher war für uns eine Neubewertung der Bereiche Landwirtschaft und Schulbildung zentral. Im Folgenden sind einige Chancen und Risiken beider Bereiche als Ergebnis unserer Diskussion, sowie die möglichen Implikationen für unsere zukünftige Förderung, dargestellt.

Bildung

Die Bildungsförderung hat in der Entwicklungszusammenarbeit eine äußerst bedeutende Rolle – eines der Milleniumsziele der UN bis 2015 ist, allen Menschen die Grundschulbildung zu ermöglichen. Subsahara-Afrika, wo die meisten unserer Projekte liegen, ist davon mit knapp 60 % Schulbesuchern weit entfernt (Welthungerhilfe, 2005). Aufgrund dessen diskutierten wir die Möglichkeit, dass unsere Verschiebung der Förderung einen allgemeinen Trend widerspiegelt.

Gerade deshalb ist eine kritische Bewertung der Bildungsförderung wichtig. Ein Gedanke von uns war, dass die hohe Nachfrage nach Bildung die Gefahr einer Bildungsillusion enthält, denn viele sind überzeugt, dass dadurch automatisch ein besserer Lebensstandard erreicht wird. Diese Aussage möchten wir relativieren.

Wir sind uns einig, dass die Förderung der Grundschulförderung, welche grundlegende, praktisch orientierte Fertigkeiten schult, ein Grundrecht für uns darstellt. Der Besuch einer Sekundarschule ist je nach weiterführenden Bildungsmöglichkeiten verschieden zu bewerten. Der eher realitätsferne, theoretisch orientierte Sekundarunterricht, erscheint uns wenig sinnvoll, wenn das erworbene Wissen nicht anschließend zum Beispiel an einer Universität weiterverwendet werden kann. In diesem Fall plädieren wir für eine praktisch orientiertere Sekundarbildung oder die Ausbildung zu einem Beruf, welcher in der jeweiligen Region anschließend ausgeübt werden kann.

Im Gegensatz zu früher sind wir uns bei Action Five Freiburg derzeit einig, dass Bildung eine nachhaltige Förderung darstellen kann, diese jedoch schwierig zu evaluieren ist. Unsere Grundannahme ist, dass ein höherer Bildungsstand zu besseren beruflichen Chancen und damit zu einem gesicherten Einkommen führt.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hingegen kann im Sinne eines finanziellen Unternehmens auch kurzfristig die Förderungssumme erwirtschaften und sich danach selbst tragen – und somit nachhaltig sein. Interessant ist, dass die Landwirtschaft nicht in den Milleniumszielen der UN direkt erwähnt wird.

Dabei ist die Landwirtschaft immer noch der am meisten ausgeübte Beruf weltweit. Mit 56,8 % lebt der Großteil der Bevölkerung in Subsahara-Afrika von der Landwirtschaft (Weltagrarbericht, 2009). Dies sind vor allem Kleinbauern in ländlichen Gegenden. Angesichts der stattfindenden Landflucht stellten wir uns die Frage, inwiefern die Landwirtschaft in der heutigen Form dort zukunftsfähig ist.

Die Erhaltung kleinbäuerlicher Strukturen ist aufgrund kultureller, sozialer und umweltbezogener Aspekte von uns weiterhin favorisiert. Die starke Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen und den Wetterverhältnissen kann Kleinbauern sehr schnell in die Schuldenfalle treiben. Eine mögliche Lösung ist der Zusammenschluss zu Kooperativen, die solche Schwankungen besser abfangen können und zusätzlich durch faire Handelsbeziehungen gesicherte Abnahmepreise erhalten können. Trotz exportorientierter „cash-crop“ Landwirtschaft darf nicht die Sicherung der eigenen Nahrungsgrundlage (Subsistenzwirtschaft) und der Bedienung lokaler Märkte außer Acht gelassen werden, bzw. sollten diese Priorität haben.

Unsere Prognose ist, dass die großindustrielle Landwirtschaft, ähnlich wie in Europa geschehen, zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Technisierung der Landwirtschaft ermöglicht eine effizientere Bewirtschaftung, wodurch Arbeitskräfte für andere Berufe frei werden. Dies könnte einen Sektorwandel hin zu den sekundären (industriellen) und tertiären (dienstleistenden) Wirtschaftszweigen darstellen. Auch wenn dies nicht unser favorisiertes Entwicklungsmodell darstellt, ist dies ein attraktiver und wahrscheinlicher Entwicklungsweg.

Drei Implikationen für die Arbeit von Action Five Freiburg

  1. Wir sind der Meinung, dass die Landwirtschaft in Subsahara-Afrika noch vieles ungenutztes Potential besitzt. Es gibt Bauern, welche möglicherweise über mangelndes Wissen über Anbaumethoden verfügen, die ihr Handelsgeschick ausbauen oder auch die Zukunftsplanung verbessern können. Eines unserer Förderungsbereiche in der Landwirtschaft sollte daher die Ausbildung von Kompetenzen in den Bereichen landwirtschaftliche Methoden, Handel und Buchführung sein.

  2. Um durch Kompetenzen entstehende Unternehmerideen auch umsetzen zu können, möchten wir weiterhin Mikrokredite vergeben, wie wir dies in Tansania getan haben. Dies sollte in Kleingruppen geschehen, da ihre Projekte durch gemeinsame Entwicklung und Risikoverteilung gegenüber Einzelpersonen bessere Chancen haben.

  3. Die Sensibilisierung für relevante Themen wie nachhaltige Landwirtschaft und Umweltschutz sollte ergänzend zur Ausbildung der finanziellen Nachhaltigkeit (1. Punkt gefördert werden, um eine Landwirtschaft zu gewähren, nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch und sozial nachhaltig ist.