Unsere Prinzipien

  • Eigeninitiative
  • Nachhaltigkeit
  • Effizienz
  • persönliche Beziehungen
  • Wann immer es um Entwicklungszusammenarbeit (EZ) geht, stößt man auch auf Skepsis und Kritik. Angefangen bei Korruption und Missbrauch über Missmanagement und der drohenden Vertiefung bestehender Abhängigkeiten bis hin zu schlichter Wirkungslosigkeit, all dies sind Vorwürfe gegenüber Entwicklungshilfeorganisationen. Und sie sind durchaus ernst zu nehmen. Hat es in der Vergangenheit nicht häufig vollständige Paradigmenwechsel auf dem Gebiet der EZ gegeben? Immer wieder hat sich herausstellt, dass die Strategien des letzten Jahrzehnts nur wenig erfolgreich waren. Werden nicht regelmäßig große Mengen an Geld in diesem Bereich verschwendet? Gibt es überhaupt ein Land, dass speziell aufgrund von Entwicklungshilfe in irgendeiner Weise den Sprung aus der Armut geschafft hätte?

    Vor dem Hintergrund dieser Kritik möchte ich die Entwicklungszusammenarbeit von Action Five Freiburg e.V. vorstellen und erklären, warum es sich möglicherweise doch lohnt hier einen Beitrag zu leisten. Action Five entstand als kleiner studentischer Verein in den frühen 80er Jahren. Jedes Mitglied entbehrte fünf Prozent des eigenen Einkommens oder seiner Arbeitszeit, um so die materiellen Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern langfristig zu verbessern und den Abbau von Abhängigkeiten, seien es ökonomische, soziale oder politische, voranzutreiben. Mit viel Idealismus und Engagement, aber vor allem auch in unzähligen schwierigen Diskussionen, hat sich ein grundlegendes Regelwerk und eine Strategie zur Erreichung dieser Ziele entwickelt. Das Motiv der Arbeit von Action Five hat sich seither nicht verändert und auch die Strategie hat sich über 25 Jahren durchaus bewährt:

    Eigeninitiative stärken

    Während viele andere Organisationen selbst entscheiden wo und in welcher Weise sie aktiv werden, und damit auch selbst initiativ tätig sind, vertraut Action Five ganz auf die Initiative unserer Projektpartner. Action Five sieht sich nicht als Organisation, die Projektvorschläge ausarbeitet, um diese gar mit eigenen Mitarbeitern in fremden Ländern umzusetzen, sondern sucht nach Personen und Gruppen, die selbst Ideen und Konzepte haben, um etwas an der Situation in ihrer Heimat zu ändern. Entspricht ein Vorschlag unseren Kriterien ist eine Kooperation möglich. Damit verfolgen wir von Anfang an eine Strategie, die sehr stark auf die Selbständigkeit vor Ort baut und nur auf sanfte Weise in die Lebensweise und Kulturen eingreift. Gleichzeitig wird jede Form von Eigeninitiative unterstützt und es kommt nicht zu personellen Abhängigkeiten.

    Nachhaltigkeit einfordern

    Wann immer Action Five ein Projekt beginnt hat dies für uns einen Investitionscharakter. Nur wenn eine realistische Chance auf einen nachhaltigen Effekt besteht, kommt ein Projekt für uns in Frage. Wir vergeben also keinerlei Not- oder Katastrophenhilfen. Ebenso wenig werden unsere Spendenmittel direkt für private Konsumgüter verwendet. Statt dessen sind Aufklärung und Ausbildung, einfache Infrastruktur und technische Investitionen im landwirtschaftlichen Rahmen das Ziel unseres Engagements. Jede Schulgebühr und jedes Saatkorn, kann so einen Unterschied für die Ewigkeit bewirken. Das hohe Ziel der Nachhaltigkeit ist für uns dabei aber nicht allein auf eine langfristige Verbesserung der materiellen Versorgungssituation ausgelegt, sondern ebenso auf die lokalen ökologischen Lebenssysteme. Somit unterstützt Action Five ebenso Aufforstungsmaßnahmen und Aspekte des ökologischen Landbaus. Durch dieses Kriterium beugen wir neuen Abhängigkeiten vor und machen strukturelle Veränderungen möglich.

    Persönliche Beziehungen und Vertrauen aufbauen

    Entspricht ein Projekt den grundlegenden Kriterien, d.h. besteht eine Bedürftigkeit für eine Finanzierung und ist das Vorhaben nachhaltig ausgerichtet, sucht, wenn nicht schon geschehen, eine Person von Action Five den persönlichen Kontakt und reist in das Projektgebiet, um sich ein detailliertes Bild der Begebenheiten zu machen und eine Vertrauensbeziehung mit den verantwortlichen Personen zu knüpfen. Der erste Besuch dauert somit meist mehrere Wochen. Verläuft das Projekt über einen längeren Zeitraum findet etwa alle zwei Jahre ein Besuch statt. Dies hat zum einen den Zweck eine gewisse Kontrolle und die Evaluation des Projektes zu ermöglichen sowie den persönlichen Kontakt zu erneuern, gleichzeitig aber auch neue Inspiration für die Arbeiten in Deutschland zu wecken. Neben dem persönlichen Kontakt zu den Projekten pflegt Action Five aber auch einen regelmäßigen und mitunter engen Kontakt zu unseren Spenderinnen und Spendern. Sie erhalten zweimal jährlich Informationen zu den gegenwärtigen Entwicklungen der einzelnen Projekte und können sich aktiv an der Abstimmung über die Projekte beteiligen. Ihre bewusste Unterstützung und mögliche Kritik an Entscheidungen ist eine weitere Stärke von Aktion Five.
    Das Prinzip der persönlichen Beziehungen macht es für Action Five möglich mit geringem materiellen Aufwand vertrauensvolle Partnerschaften einzugehen. Ohne Zweifel ist ein Scheitern eines Projektes wie in jeder Organisation auch bei uns möglich, eine missbräuchliche Verwendung der Mittel ist auf diesem Wege aber weitestgehend auszuschließen.

    Ohne Effizienz – keine Glaubwürdigkeit

    Auch im Hinblick auf eine effiziente Verwendung von Spendengeldern unterscheiden wir uns durchaus von den meisten anderen Organisationen. Aufgrund unserer überschaubaren Größe (10 aktive Mitarbeiter/ ca. 20.000€ an Spenden pro Jahr) ist es uns möglich so gut wie keine Spendenmittel für interne Bürokratie oder Personal aufzuwenden. De facto finden etwa 98% unserer Spendeneinnahmen den Weg in unsere Projektgebiete. Alle Tätigkeiten oder Kosten die aufgrund von Projektauswahl und –betreuung, Controlling (inklusive Flugkosten) oder Buchhaltung entstehen, werden ehrenamtlich ausgeübt bzw. privat bezahlt. Und auch wenn Spendengelder nicht unmittelbar weitergeleitet werden, finden sie für einige Wochen Verwendung für soziale und ökologische Investitionen im Rahmen der GLS-Gemeinschaftsbank.
    Es besteht also weder ein Risiko zu großer Bürokratie noch eine große Gefahr des Missmanagements.

    Johannes Vatter